Elfmeterhelden Neymar und César
Brasilien gewinnt Nervenschlacht gegen Chile

Der Traum vom Titel im eigenen Land ist weiter intakt: Im Nerven-Krimi von Belo Horizonte hat die Seleςao starke Chilenen niedergerungen. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen. Dort wurde Keeper Cesar zum Helden.
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Belo HorizonteGanz Brasilien atmet auf: Dank Elfmeterheld Julio Cesar hat der Gastgeber die schwere Hürde mit Weltmeister-Schreck Chile gemeistert und darf weiter von der ersehnten „Hexacampeão“ träumen. Cesar parierte beim 3:2 im Elfmeterschießen zweimal und führte die stark verbesserte Seleção am Samstag in einem packenden Achtelfinal-Duell gegen den Spanien-Bezwinger in die nächste Runde. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:1) gestanden. Damit steht Brasilien zum sechsten Mal in Serie im Viertelfinale und bekommt es dort am Freitag (22.00 Uhr MESZ) mit dem nächsten Südamerika-Rivalen Kolumbien oder Uruguay zu tun. Chile muss dagegen weiter seit dem dritten Platz bei der Heim-WM 1962 auf einen Vorstoß unter die besten acht Teams der Welt warten.

Vor 57 714 Zuschauern im Estádio Mineirão von Belo Horizonte avancierte Cesar im Elfmeterschießen zum Helden. Der Keeper parierte nacheinander gegen Mauricio Pinella und Alexis Sanchez, zum Schluss scheiterte noch Gonzalo Jara am Pfosten. Jungstar Neymar traf mit dem entscheidenden Elfmeter zum 3:2. In der regulären Spielzeit hatte Alexis Sanchez (32.) die brasilianische Führung, die aus einem Eigentor von Gonzalo Jara (18.) resultierte, ausgeglichen.


„Vor vier Jahren, da war ich sehr traurig. Jetzt weine ich wieder, aber vor Glück. Nur Gott und meine Familie wissen, was ich durchgemacht habe. Meine Geschichte in der Seleção ist noch nicht zu Ende“, sagte Matchwinner Cesar, der beim Viertelfinal-Aus vor vier Jahren gegen die Niederlande gepatzt hatte. Der Ex-Leverkusener Arturo Vidal war dagegen tieftraurig: „Es ist schwer, so auszuscheiden. Wir haben ein ausgezeichnetes Spiel gemacht. Wir haben gesagt, dass wir alles auf dem Platz geben werden, das haben wir gemacht.“

Gleich von Beginn an entwickelte sich ein erbarmungsloser Abnutzungskampf, ein intensives Spiel mit viel Tempo, Leidenschaft und harten Zweikämpfen. Gefordert war gleich der englische Referee Howard Webb, der vor vier Jahren das Brutalo-Finale von Johannesburg zwischen Spanien und Holland geleitet hatte, als es auf beiden Seiten zur Sache ging. Insbesondere der brasilianische Stürmer Neymar, der mit vier Toren zu den Superstars in der Vorrunde gehörte, wurde von den Chilenen hart angegangen. Webb war aber voll auf der Höhe, entschied bei kniffligen Tacklings im Strafraum genauso richtig wie bei einem nicht gegebenen Tor von Hulk wegen Handspiels (55.) und zeigte auch sonst das nötige Fingerspitzengefühl.


Im Vergleich zu den doch bescheidenen Auftritten in der Vorrunde zeigten sich die Brasilianer diesmal stark verbessert. Getragen vom lautstarken Anhang drängte die Mannschaft von Trainer Luiz Felipe Scolari den Südamerika-Rivalen gleich in die eigene Hälfte zurück und wurde erstmals den hohen Ansprüchen gerecht. Hatte Marcelo mit einem 18-Meter-Schuss das Ziel verfehlt (6.) und sich Neymar bei einem blitzschnell vorgetragenen Angriff noch verzettelt (16.), war es in der 18. Minute passiert. Nach einer Ecke von Neymar verlängerte Thiago Silva per Kopf den Ball auf den einschussbereiten David Luiz. Der Rettungsversuch von Gonzalo Jara landete im eigenen Tor. Offiziell zugeschrieben wurde das Tor zunächst aber Verteidiger Luiz, dessen Einsatz wegen Rückenbeschwerden lange fraglich war.

In der Folgezeit konnte sich Neymar zunehmend aus der Umklammerung lösen und das Spiel an sich reißen. Vor allem wenn der Jungstar Platz hatte, seine Schnelligkeit auszuspielen, wurde es brandgefährlich (26.). Umso bitterer, dass ein eigener Fehler den Gastgeber zurückwarf. Einen zu kurz gespielten Pass von Hulk fing Eduardo Vargas ab und bediente Barcelona-Star Alexis Sanchez, der sich die Chance zu seinem zweiten Turniertreffer nicht nehmen ließ.

Brasilien reagierte mit wütenden Angriffen auf den Ausgleich, hatte aber gleich mehrmals Pech. Ein Kopfball von Neymar nach Pass von Oscar streifte den Pfosten (36.), Fred setzte den Ball nach einem Neymar-Solo freistehend über das Tor (39.) und bei einem Distanzschuss von Dani Alves war Torhüter Claudio Bravo zur Stelle (42.). Auf der Gegenseite hätte aber auch Charles Aranguiz nach feinem Pass von Sanchez für den nächsten Tiefschlag sorgen können (45.+1). Wieviele Emotionen im Spiel waren, bewiesen die Wortgefechte unter den Spielern zum Pausenpfiff.


Und es ging im zweiten Durchgang gleich rasant weiter. Erst ein Distanzschuss von Fernandinho knapp neben das Tor (49.), dann jubelte Brasilien über Hulk, doch Webb hatte das Handspiel vorher gesehen. Der englische Referee lag auch bei den Gelben Karten richtig. Dabei erhielten der Wolfsburger Luiz Gustavo bei Brasilien sowie Eugenio Mena und Francisco Silva die zweite Gelbe Karte.

In der 64. Minute stockte den brasilianischen Fans der Atem: Nach Zuspiel des Ex-Leverkuseners Vidal zwang Aranguiz den brasilianischen Keeper Julio Cesar zu einer Weltklasse-Parade. Dann war plötzlich wieder Brasilien am Zug: Erst verpasst der eingewechselte Jo knapp das Tor (74.), dann parierte Bravo bei einem Neymar-Kopfball (81.).

So ging es in die Verlängerung, in der die Chilenen vor allem auf Ergebnissicherung bedacht waren. Den Brasilianern fiel nicht mehr all zu viel ein, was auch dem großen Kraftverschleiß geschuldet war. Doch in der 120. Minute wurde es doch dramatisch, als der eingewechselte Mauricio Pinilla die Latte traf, im Gegenzug scheiterte Ramires knapp.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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