Fangeschichten
Der Tag, an dem ich beinahe Ailton traf

Wenn es in Deutschland um brasilianischen Fußball geht, ist Ailton nicht weit. WM-Reporter Stefan Kaufmann hat den einstigen Stürmer-Star in einer kleinen Kneipe in Salvador zufällig aufgespürt – beinahe zumindest.
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Salvador/BahiaEs ist diese Melodie, die mich vor einer kleinen Kneipe halten lässt. Dieser schnulzig-schunkelige Pathos, der so gar nicht nach Salvador/Bahia passt, wo Trommeln und Gitarren den Ton angeben. Ich trete ein und höre einen Refrain, der mir bekannt vorkommt.

Von Fußballfeiernächten meines früheren WG-Mitbewohners und aus einem deutschen Stadion. „Werder Bremen, Lebenslang Grün-Weiß“ schallt es aus den Boxen. Der Kneipier stellt lauter und als er sich umdreht, glaube ich den leibhaftigen Kugelblitz vor mir zu sehen.

Kugelblitz – so hat der Boulevard Bremens ehemaligen Stürmerstar Ailton in Anbetracht dessen runden Körperbaus getauft. Der Mann, der hier plötzlich vor mir steht, ist wohlgeformt – wie Ailton. Er kann bis zu den Ohren grinsen – wie Ailton. Sein Lachen ist schallend – wie das von Ailton. Er ist Brasilianer – wie Ailton.

Doch es ist nicht Ailton. „Ich bin Alexandro, aber ich kenne Ailton gut, wir sind befreundet, letzte Woche erst habe ich ihn vom Flughafen abgeholt und wir haben ein paar Caipi getrunken, schau hier“, sagt er in gutem Deutsch und kramt sein Handy aus der Hosentasche. Er tippt darauf herum, sucht ein Foto, findet es und streckt mir das Display ins Gesicht. Tatsächlich Ailton und Alexandro grinsen um die Wette.

Alexandro Lopes ist ein Tausendsassa und Anlaufstelle für viele deutsche Fans im Zentrum von Salvador/Bahia. Nicht nur wegen seiner Kneipe: Er tauscht auch Geld, legt Tickets zurück, organisiert Zimmer. Die Holländer hat er mit seiner guten Laune und seinen Tipps schon glücklich gemacht, nun freut er sich auf die Deutschen, die für das erste Gruppenspiel gegen Portugal anreisen.

Täglich sind mehr Trikots mit dem DFB-Logo auf den Straßen und Plätzen zu sehen. Das offizielle Fancamp des Deutschen Fußball Bundes wurde auf einer Insel in der Nähe von Recife aufgeschlagen. Mit drei Bussen fahren rund 150 Mitglieder des Fan-Clubs der Nationalmannschaft an diesem Montag nach Salvador/Bahia. Doch die meisten reisen schon früher auf eigene Faust an.

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