Final-Stimmung in Rio
„Schenkt den Pokal bloß nicht den Argentiniern“

Auf der Straße geben die Argentinier vor dem Finale den Ton an. Sie träumen vom Triumph in Maracanã, dem Heiligtum des Erzrivalen. Ein Albtraum für alle Brasilianer – die sich mit den Deutschen verbünden.
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Rio de JaneiroDer Strand darf kein Gradmesser sein. Wer aus dem Nichts an diesem Finalwochenende an der Copacabana landet, er müsste denken, das Spiel sei schon gelaufen – und Argentinien der neue Weltmeister. Tausende Fans in Hellblau und Weiß besetzen seit Tagen Rios bekannteste Sandmeile – ihre riesigen Fahnen an den Zäunen und Wänden stecken das Revier ab und ärgern die Brasilianer.

„Mehr als 100.000 werden es schon sein“, schätzt Sergio. So viele Argentinier hätten sich derzeit in Rio, der Perle ihres Erzrivalen Brasilien, eingenistet. Er selbst kommt aus Cordoba, zum Finale ist er angereist, eine Karte fürs Stadion hat er nicht, dafür jede Menge Vertrauen in die argentinische Nationalmannschaft. „1 zu 1 zur Halbzeit und dann, kurz vor Schluss, schlagen wir zu und gewinnen 2 zu 1“, sagt er. Auch der Siegtorschütze steht für Sergio fest. Wer könnte es anderes sein als Messi?

Nach jedem weiteren Sieg bei dieser WM singen sie den Titelgewinn mit mehr Inbrunst herbei. Ein Trommeln und Klatschen treibt den Rhythmus in jedes Ohr. Achtung Brasilien, Papa kommt nach Hause – so geht der Song los, bevor die alten Helden wie Caniggia verehrt und die aktuellen wie Messi angefeuert werden. Zum Schluss beantwortet das Lied auch noch die große Streitfrage des südamerikanischen Fußballs auf argentinische Weise: „Maradona ist viel größer als Pelé.“


Nur hin und wieder tauchen die deutschen Trikots auf. Rund 4500 Karten gibt es offiziell für die Fans des DFB-Teams. Ein paar mehr – aber eben auch nicht viel mehr – Anhänger dürften es an diesem Finaltag in Rio de Janeiro sein. Wer allerdings mit dem Bundesadler auf der Brust durch die Straßen läuft, merkt schnell: Ich bin auf jeden Fall nicht der einzige, der von einem Sieg der deutschen Nationalmannschaft träumt.

Noch nicht ganz aus der Tür, grüßt schon der Pförtner, die in Copacabana an den Eingängen der Mietshochhäuser sitzen, und wünscht viel Glück. Dazu: Beide Daumen hoch. „Alemanha, Alemanha“, ruft schon der nächste aus dem Café an der Ecke. „Ihr müsst gewinnen, uns zuliebe, schenkt den Pokal bloß nicht den Argentiniern.“ Die 1:7-Demontage vor wenigen Tagen? Geschenkt. Solange der Nachbar nicht in Maracanã triumphiert.

„Ihr habt uns beerdigt“, sagt Ivan, Brasilianer und auf dem Weg zur Arbeit, und als hätten seine Worte nicht schon Wucht genug bekreuzigt er sich noch zweimal. Die Halbfinalniederlage des WM-Gastgebers hängt nach. Aber das Spiel hat nicht nur bei Ivan Eindruck hinterlassen.

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