Fußballer im Netz Was die Deutschen von Neymar lernen können

In sozialen Netzwerken ist das deutsche Team nicht weltmeisterlich. Dabei ist die Online-Kommunikation längst ein wichtiger Bestandteil der Fankultur, schreibt Daniel Mack in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online.
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Über diese Spieler und Sponsoren lästert das Netz
World Cup 2014 - USA - Germany
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Welche Themen bestimmen die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien? Welche Spieler erregen besonders viel Aufsehen? Und welches Land schenkt dem Turnier die meiste Aufmerksamkeit? Um diese Fragen zu beantworten, hat der Softwarekonzern SAP die sozialen Netzwerke untersucht – und den digitalen Herzschlag der WM gemessen. Das sind die Ergebnisse für den Zeitraum vom 1. bis zum 29. Juni.

German soccer fans watch the 2014 World Cup Group G soccer match between Germany and Ghana at public viewing zone called 'fan mile' in Berlin
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Die „gesprächigsten“ Länder

Zwischen dem 1. und dem 29. Juni hat SAP alle Beiträge ausgewertet, in denen WM-Schlagworte in Kombination mit einem Ländernamen vorkamen. Das Ergebnis zeigt: Zumindest auf dem digitalen Platz schlägt sich Deutschland alles andere als weltmeisterlich. 836.802 Erwähnungen hat das Software-Unternehmen ausgemacht – das reicht gerade einmal für Platz 5 im Ranking.

World Cup 2014 - Group D - Costa Rica vs England
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Als ob die schlechte Platzierung nicht reichen würde, muss sich Deutschland den Rang auch noch von zwei Teams ablaufen lassen, die schon nach der Vorrunde ausgeschieden sind. Mit 1.046.996 Erwähnungen landet Nochweltmeister Spanien trotz Vorrunden-Aus auf Platz vier. 1.292.019 Erwähnungen und der dritte Platz im Ranking sind ein Beleg für den Fußball-Boom in den USA, der zwar viele, aber längst nicht alle Amerikaner in seinen Bann gezogen hat. Auf Platz 2 steht England mit 1.541.291 Erwähnungen. Ob die Briten die Platzierung trotz Ausscheiden der „Three Lions“ halten können, muss sich aber noch zeigen.

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Mit 3.391.204 Erwähnungen hat Brasilien die Nase deutlich vorn. Die Proteste, wegen denen vor der Weltmeisterschaft Millionen Brasilianer auf die Straße gingen, sind längst in den Hintergrund gerückt. Während der Spiele feiert der Gastgeber sich selbst und seine Mannschaft – und ist auch in den sozialen Netzwerken Favorit auf den Titel.

Produktfälschung - adidas
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Sponsoren und Partner, über die am meisten gesprochen wird

Werbung gehört zum Fußball wie die Stollen und der Schiedsrichter. Auf Banden, dem offiziellen WM-Ball oder in den Pausen – Unternehmen konkurrieren allgegenwärtig um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Zumindest in den sozialen Netzwerken hat Adidas dabei die Nase vorn: 105.231 mal wurde der Sportartikelhersteller in Zusammenhang mit der WM erwähnt. Es folgen Sony (46.309 Erwähnungen), Coca-Cola (42.486 Erwähnungen), und McDonald's (37.303 Erwähnungen). Auf Platz 5 steht leicht abgeschlagen Budweiser (28.162 Erwähnungen).

Shakira
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Der beliebteste WM-Song

Kein großes Fußball-Ereignis ohne Shakira. 2006 präsentierte sie bei der Eröffnungsfeier „Hips Don’t Lie“ mit Wycleaf Jean, vier Jahre später dröhnte „Waka Waka (This Time For Africa)“ aus jedem Lautsprecher. Und auch 2014 ist sie mit „Dare (La La La)“ in der Sammlung der aktuellen WM-Songs vertreten. 51.644 Beiträge, die den Song in Kombination mit dem Begriff „World Cup“ erwähnen, hat SAP zwischen dem 1. und dem 29. Juni in den sozialen Netzwerken ausfindig gemacht. Das ist nicht schlecht, doch es geht auch deutlich besser...

Jennifer Lopez
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Trommelbeats, Sambarhythmen und ein eingängiger Text mit viel „Ole“ – fertig ist der offizielle FIFA-WM-Track. US-Rapper Pitbull hat gemeinsam mit der brasilianischen Sängerin Claudia Leitte und Megastar Jennifer Lopez den Song „We Are One (Ole Ola)“ aufgenommen. Und der kommt in den sozialen Netzwerken offenbar deutlich besser an als der Shakira-Song. 128.448 Erwähnungen bringen JLo und Co. in Führung.

DüsseldorfNatürlich hat Ex-DFB-Pressesprecher Harald Stenger recht, wenn er sagt, dass Tore wichtiger sind als Tweets. Dass sich Treffer auf dem Rasen und im Netz nicht ausschließen, zeigt zum Beispiel Brasilien-Star Neymar. Der Seleção-Topstürmer liegt nicht nur in der Torschützenliste relativ weit vorn, sondern ist auch der WM-Spieler mit den meisten Erwähnungen auf Twitter.

Die kürzlich veröffentlichten Daten des Kurznachrichtendiensts (300 Millionen Tweets in der Gruppenphase, doppelt so viele wie insgesamt bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London) zeigen: Echtzeit-Kommunikation im Social Web ist zu einem elementaren Bestandteil der Fankultur geworden.

Daniel Mack ist Berater für digitale Kommunikation und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen. Quelle: privat

Daniel Mack ist Berater für digitale Kommunikation und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen.

(Foto: privat)

Kein Wunder, so zeigt etwa Twitter die gesamte Vielfalt der Fußball-WM. Politische Proteste, der Kampf gegen die Armut und die lächerliche Plakatzensur durch die Fifa in den Stadien gehören ebenso zur den im 140-Zeichen-Kanal diskutierten Themen, wie hochspannende Fußballspiele und die sportlichen Überraschungen.

Das Interesse ist aber auch wirtschaftlicher Natur: Direkte Zugänge zur konsumfreudigen Fußballanhängerschaft über das Social Web sind bei Sponsoren gefragt wie nie. Die aktuelle „Social Trends Studie“ von Tomorrow Focus, wonach fast die Hälfte der Deutschen während den WM-Spielen und fast 40 Prozent der Frauen sowie 30 Prozent der Männer Social-Media-Kanäle das Smartphone als Second Screen nutzen, zeigt das Potenzial sehr deutlich.

Für Profifußballer, die sich sonst eher als Spielball der Medien sehen, ist das Social Web eine nie dagewesene Chance. Nicht nur die Macht über Nachrichten kann fester in eigenen Händen gehalten, sondern auch der eigene Werbewert deutlich erhöht werden.

Wer durch das Setzen von Themen Nachrichten selbst generiert, aber auch Interaktion mit der eigenen Anhängerschaft in den Mittelpunkt rückt, wird mit seinem Twitter-Profil Reichweiten erzielen, die deutlich über denen von etwa TV-Sendern liegen.

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