Krawalle vor WM-Eröffnungsfeier
Gewalttätige Proteste überschatten WM-Auftakt

Die Fans pilgern zur Corinthians-Arena in São Paulo, Sicherheitskräfte gehen gewaltsam gegen mehrere Dutzend Demonstranten vor. Die Bilder der Straßenschlachten überschatten den WM-Auftakt.
  • 0

São PauloDie Fußball-Weltmeisterschaft startet und wird wie befürchtet von Tumulten und Streiks überschattet. Tausende Fans strömten am Donnerstagvormittag friedlich zur Corinthians-Arena in São Paulo, wo die WM mit dem Spiel Brasilien-Kroatien am Abend eröffnet wird. Zeitgleich kam es in der Millionenmetropole zu gewalttätigen Protesten, bei denen es mehrere Verletzte gab, darunter eine CNN-Journalistin. Die Polizei setzte Tränengasgranaten ein, einige Randalierer steckten vor zahlreichen laufenden Kameras Müll auf den Straßen in Brand.

Die Proteste hatten sich am Vormittag an der Metro-Station Carrão etwa zehn Kilometer vom WM-Eröffnungsstadion entfernt entzündet. Maskierte Randalierer knickten Straßenschilder um, rissen Mülleimer aus den Halterungen und setzten den Müll in Brand. Zudem bewarfen sie Polizisten mit Steinen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Es kam zu Straßenschlachten. Die Aktion wurde von zahlreichen Journalisten begleitet, die mit Helmen und Schutzmasken ausgestattet waren.

In Rio de Janeiro sorgte ein Teilstreik des Bodenpersonals der Flughäfen für Verärgerung. Wegen einer kurzzeitigen Blockade der zentralen Zufahrtsstraße zu Rios internationalem Flughafen Galeão kam es zu kilometerlangen Staus. Einige Passagiere verpassten ihre Flüge. „Das ist eine Schande. Wie kann ein Dutzend Personen den Verkehr für Tausende blockieren und die Polizei schaut untätig zu“, sagte die Unternehmerin Tatiana Maia, die ihren Flug verpasste. In der WM-Stadt Natal im Nordosten Brasiliens waren die Busfahrer im Streik. Nur 30 Prozent der Busse waren im Einsatz.

Präsidentin Dilma Rousseff hatte am Mittwoch klar gemacht, dass die Sicherheitskräfte keine Toleranz im Falle möglicher Krawalle zeigen werden. „Wir sind ein demokratisches Land, und wir respektieren das Recht der Menschen zu demonstrieren“, sagte sie. Doch es werde nicht die „geringste Rücksichtnahme“ gegenüber Randalierern geben. Die Regierung werde auch „die Sicherheit aller Touristen garantieren“.

Unklar blieb, wie viele Randalierer sich an den Krawallen beteiligten. Nach unterschiedlichen Angaben waren es zwischen 50 und 300. Vermutlich bekamen aber die wenigsten WM-Fans in São Paulo von den Ausschreitungen direkt etwas zu spüren. Um das Eröffnungsstadion Arena Corinthians war Feststimmung angesagt. Tausende Fans waren schon am Vormittag zu dem Stadion gepilgert, um die WM-Eröffnung zu feiern.

Brasiliens Fußballer gehen hochmotiviert in die Auftaktpartie gegen Kroatien, die um 17.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) angepfiffen wird. Drei Punkte sind für den Gastgeber Pflicht. „Die Zeit ist gekommen. Das ist unsere WM“, kündigte Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari an. Sein Starstümer Neymar ergänzte: „Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass unser Traum wahr wird.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Krawalle vor WM-Eröffnungsfeier: Gewalttätige Proteste überschatten WM-Auftakt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%