Niederlande gegen Argentinien
Der Elfmeter-Skandal, der keiner ist

War der Elfmeter von Ron Vlaar gegen Argentinien doch drin? Videos im Internet lassen das vermuten. Forderungen nach einer Wiederholung des Spiels werden laut. Doch der Wirbel erweist sich als Sturm im Wasserglas.
  • 7

DüsseldorfRon Vlaar dreht frustriert ab. Der niederländische Verteidiger hat den ersten Elfmeter im Elfmeterschießen zwischen den Niederlanden und Argentinien verschossen. Der argentinische Torhüter Sergio Romero lässt sich feiern. Nachdem die Niederländer später noch einen zweiten Elfmeter verschießen, ist das Aus besiegelt. Argentinien zieht ins Finale der Fußball-WM ein.

So hatten es die Fußball-Fans in aller Welt gesehen. Bis Videos von Zuschauern auftauchen, die eine unglaubliche Vermutung nahelegen: Sind die Niederlande womöglich zu Unrecht ausgeschieden? Die Bilder zeigen, wie der Ball nach der Parade aufprallt und wieder in Richtung Tor rollt – und dabei möglicherweise die Torinie überquert. Die Reaktion war enorm: Eines der Videos - am Donnerstag eingestellt - hatte bereits am Freitagmorgen mehr als eine Million Klicks. Am Freitagabend waren es rund 3,25 Millionen.

War der Elfmeter von Vlaar also etwa doch drin? Muss das Halbfinale womöglich wiederholt werden? Nein, es bleibt alles beim Alten. Denn zum einen hat Vlaar den Ball wohl noch mit der Schulter berührt, bevor er wieder Richtung Torlinie rollte; ein anderes Video zeigt den Elfmeter aus der Sicht des Spielers, auf dem dies zu sehen ist. So zeigen es auch die „MyView“-Zusatzbilder in der ZDF-Mediathek. Und dann ist die Lage regeltechnisch eindeutig: „Entscheidend ist, ob der Schütze den Ball ein zweites Mal berührt hat. In dem Moment, in dem er wieder Kontakt mit dem Ball hat, ist eine neue Wirkung erreicht“, erklärt Michael Liedtke, Vorsitzender des Schiedsrichterausschuss im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Hat der Schütze den Ball dagegen nicht mehr berührt, wäre auf Tor zu entscheiden.“

Zum anderen rollte der Ball wohl auch gar nicht hinter die Torlinie. Ein weiteres Video zeigt vielmehr: Der Ball blieb auf der Linie liegen. Auch die neue Torlinientechnologie hatte keinen Alarm geschlagen.

Die offiziellen Fernsehbilder hatten das Nachspiel im Übrigen nicht gezeigt, weil gleich nach der Parade auf jubelnde Argentinier übergeblendet wurde.

Der vermeintlich so kuriose Elfmeter war nach dem Spiel bei den Spielern und Offiziellen der Niederländer kein Thema gewesen – und wird es auch nicht werden. „Es scheint ein Sturm im Wasserglas zu sein“, räumte auch das niederländische Internetportal „voetbalprimeur.nl“ irgendwann ein. Regel-Experte Michael Liedtke hätte einem möglichen Protest aber auch keine Chance gegeben: „Es ist und bleibt eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Und da ist die Fifa relativ rigide.“

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Victor Fritzen
Victor Fritzen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Niederlande gegen Argentinien: Der Elfmeter-Skandal, der keiner ist"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine erstklassige Spielwiese für juristische Betrachtungen. Teleologisch betrachtet kommt man zu dem Ergebnis, dass der Schütze verschossen hat.

  • möglicherweise trügt der eindruck, aber mir wähnt, dass die schönsten schwalben in einem club fliegen, müller, robben, shaqiri, auch götze lernte schnell (portugal). verwunderlich, wo doch dieser club im höchsten maße sportlich fair und frei von "unregelmäßigkeiten" ist.

  • Ron Vlaar hat den Ball mit der Schulter berührt bevor er wieder in Richtung Tor gesprungen ist, damit ist das Thema beendet. Hier ist es deutlich zu sehen https://www.youtube.com/watch?v=vo_-rjVSMhA

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%