Sami Khedira
Deutschlands Siegertyp und großer Leader

Wegen einem Kreuzbandriss drohte das WM-Aus. Niemand glaubte an Sami Khediras Rückkehr – doch der Wille des 27-Jährigen war unbändig. Diese Eigenschaft soll Deutschland gegen Ghana zum Sieg führen.
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DüsseldorfEs ist der 15. November 2013, als für Sami Khedira eine Welt zusammenbricht. Beim Länderspiel der deutschen Elf gegen Italien im ehrwürdigen San Siro bleibt der Mittelfeldmann in einem Zweikampf gegen Andrea Pirlo im Geläuf hängen. Bereits auf dem Weg ins Krankenhaus steht die Diagnose fest: Innen- und Kreuzbandriss. Es droht das frühzeitige WM-Aus.

Doch Khediras Welt steht nur für einen Moment unter Schock. Auch, als Papa Lazhar zu Tränen gerührt ist, als sein Sohnemann im Rollstuhl aus dem Mailänder Hospital geschoben und ins Mannschaftshotel gefahren wird. „Ich habe nicht gejammert. Ich habe sofort den Schalter umgelegt und gefragt: Was kann ich tun? Welche Möglichkeiten stehen mir zur Verfügung?“

Sieben Monate später strahlt Khedira wieder über beide Ohren. Er hat es geschafft. Beim 4:0-Triumph über Portugal feiert der 27-Jährige mit seinen Teamkollegen vor den deutschen Fans. Der Anhang bejubelt Thomas Müller, der soeben zum „Man of the Match“, gekürt wurde. Der wahre Gewinner aber hält sich im Hintergrund: Sami Khedira.

Es grenzt an ein kleines Wunder, dass der Profi von Real Madrid wieder auf dem Rasen steht. Endlich kann Khedira nach sieben Monaten Leidenszeit die schönen Seiten des Fußballs genießen. Doch wenn jemand einem Spieler solch ein Comeback zugetraut hätte, dann dem gebürtigen Stuttgarter.

Mit großem Willen, Leidensfähigkeit und Verbissenheit hat sich Khedira zurückgekämpft und gehört auch vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Ghana am Samstag (21 Uhr deutscher Ortszeit) zu den festen Säulen im deutschen Team.

Bereits an dem so schwarzen Freitagabend in San Siro hatte der Sechser alles für eine schnelle Genesung in die Wege geleitet. Noch im Krankenwagen rief er seinen vertrauten Arzt Dr. Boenisch in Augsburg an. Am Samstag, um 13 Uhr, lag Khedira dann unter dem Messer. Die Fortschritte in der Reha-Klinik hielt der Profi fest. Selbst von einem Zwei gegen Zwei zwischen Khedira und seinem Bruder gegen die Physio-Trainer erfuhr Bundestrainer Joachim Löw.

Der Anfang einer schnellen Genesung. Bereits im Champions-League-Finale am 24. Mai stand Khedira in Real Madrids Stammelf gegen den Stadtrivalen Atletico – und gewann beim 4:1-Sieg nach Verlängerung den Henkelpott. Zwar wurde er nach einer Stunde durch Isco ersetzt. Doch das Spiel zeigte: Ein WM-Einsatz Khediras wird immer wahrscheinlicher. Das wusste auch Bundestrainer Löw, der Khedira nominierte, obwohl er nicht voll im Saft war.

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