Südamerikanische Fans über Deutschland
„Ihr seid unser Albtraum“

Groß ist der Jubel auf der Fan-Meile, als Ghana in Führung geht. Der Grund: Brasilianer und Argentinier fürchten die deutsche Mannschaft. Für sie ist Deutschland Top-Favorit auf den Titel – trotz des 2:2 gegen Ghana.
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RecifeSie sagen es seit dem ersten Turniertag. Brasilianer, Argentinier, Mexikaner. Für Fans aus Südamerika ist Deutschland der große Favorit auf den Titel. „Schau Dir doch mal an, wer dort spielt“, sagt mir Rodrigo, ein junger Mann aus Recife. Und vor allem, wer da noch auf der Bank sitzt. „Schweinsteiger, ein fantastischer Spieler.“ Er kann nicht verstehen, warum der nicht spielt. Egal: „Ihr werdet trotzdem Weltmeister – 100-prozentig.“

Zum Deutschlandspiel ist die Fanmeile in Refice, der Millionenstadt in Brasiliens Nordosten und nächster Spielort des DFB-Teams, gut gefüllt. Argentiniens qualvolles 1:0 in den Mittagsstunden gegen den Iran haben noch einige wenige verfolgt, die sich auf den wenigen Schattenflecken zusammengerottet haben. Doch Deutschland – dieses Team fasziniert. Auch die Argentinier bleiben länger.

Ihr seid so eine starke Mannschaft, sagt auch Sabina Sagripanti. Sie ist mit ihrem Mann im Auto aus Rosario in Argentinien nach Recife gekommen. Mehr als 5000 Kilometer haben sie abgerissen, für zwei Spiele von Costa Rica – dafür haben sie Karten bekommen – und ein paar Tage am Strand. „Morgen brechen wir nach Porto Alegre auf, wieder mehr als 2000 Kilometer, aber dann haben wir Tickets für das dritte Spiel von Argentinien.“

Mariano ihr Mann, wünscht sich nur eines: Nicht schon wieder im Viertelfinale gegen die Deutschen spielen. „Ihr seid unser Alptraum“, sagt er. 2006 waren die argentinischen Schützen im Elfmeterschießen an Jens Lehmann verzweifelt, 2010 war schon nach 90 Spielminuten alles vorbei. Auch bei dieser Weltmeisterschaft in Brasilien ist diese Kombination im Viertelfinale möglich.

Bei dem Pulk von Argentiniern steht Jorge, feiert mit ihnen. Doch tatsächlich geht Jorge fremd. Zwar trägt er ein Trikot mit dem argentinischen Wappen, doch eigentlich ist er ein Brasilianer aus Recife. „Ich mag einfach Fußball, Maradona, Messi“, sagt er entschuldigend. Und schiebt hinterher, als er die Fans aus Deutschland sieht: „Beckenbauer, Rummenigge!“

Ein Mate-Becher wird herumgereicht, doch das Holz-Gefäß ist nicht mit Tee gefüllt. „Fernet-Branca mit viel Eis“, klärt Sabina auf. „Von uns muss heute keiner mehr fahren“, sagt sie. Mit viel Glück hat es an diesem Mittag zum Sieg für Argentinien gereicht. Erst in der Nachspielzeit hat Lionel Messi den Ball im Tor der Iraner untergebracht. Viele erklärte Favoriten straucheln bei dieser Weltmeisterschaft, der amtierende Titelträger – Spanien – ist sogar schon ausgeschieden.

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Schadenfreude auf der Fanmeile

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