TV-Kritik Maybrit Illner
Wenn das „Schland“-Fieber peinlich wird

Der Konflikt in Nahost explodiert, die Bundesregierung verweist einen US-Geheimdienstler des Landes. Viel Gesprächsstoff für eine Talkshow, doch auch für Maybrit Illner gab es gestern kein wichtigeres Thema als Fußball.
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DüsseldorfIm allgemeinen „Schland-Fieber“ gibt es selbst für das ZDF derzeit anscheinend kein wichtigeres Thema als die Fußball-WM. Anstatt also mit Nahost-Experten nach einer friedlichen Lösung für den sich anbahnenden Krieg zu suchen, fragten sich Fußballlehrer und Trainingsmasochist Felix Magath, Toni Schumacher (zweifacher Vize-Weltmeister), Nia Künzer (Weltmeisterin 2003), der Journalist Hajo Schumacher und Thomas Berthold (Weltmeister 1990), ob die DFB-Elf am Sonntag jetzt wirklich das Zeug zum ganz großen Wurf hat. Thema: „Alles oder nichts – Wird Deutschland jetzt Weltmeister?“

Zu Beginn ergötzte sich die Runde noch einmal am 7:1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien. Der WM-Gastgeber geriet dabei verbal ordentlich unter dir Räder, Hajo Schumacher empfahl direkt einmal, doch mal „mehr zu trainieren und sich nicht auf Voodoo zu verlassen“.

Hajo Schumachers Qualifikation für solche Stammtisch-Aussagen war laut Einblendung übrigens, dass er „Fußballfan seit Kindesbeinen“ ist. Ob nun das Quotendiktat Maybrit Illner zur Auswahl des Themas ihrer Sendung gezwungen hat, ist nicht überliefert.

Jedoch erschien sie ein ums andere Mal nicht so recht im Thema, ihre Fragen waren oft leicht daneben, die Antworten waren dann dementsprechend. Eine Kostprobe: Illner: „Es ist immer schöner, Erster zu werden als Zweiter oder Dritter, oder, Felix Magath?“ Antwort des „Quälix“: „Ja.“

Nachdem Toni Schumacher sich dann noch seinen Fehler aus dem WM-Finale '86 gegen Argentinien ansehen musste, beerdigte Felix Magath mal eben die Fußball-Karriere des viermaligen Weltfußballers Lionel Messi: „Der läuft nicht mehr richtig. Der ist nicht mehr der Spieler, der er mal war.“

Danach geriet selbst Magath in den „Schland“-Modus und prophezeite einen klaren Sieg im Endspiel gegen Argentinien. Für den Trainer, aktuell beim FC Fulham in Englands zweiter Liga beschäftigt, ist das Ergebnis so vorhersehbar, dass er das Spiel eigentlich gar nicht mehr gucken muss.

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  • Der »Kaiser« und der »Loddar« waren gerade nicht verfügbar? Genau so wenig wie einer wie Breitner Paule im Kreise unserer Auserwählten. Alles so schön glatt hier ;–))

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