Ungeliebtes Argentinien
Brasilien hält zu Deutschland

Argentinien und Brasilien verstehen sich in Politik und Wirtschaft. Beim Fußball sind sie jedoch erbitterte Konkurrenten. Warum heute mehr als 200 Millionen Brasilianer den Deutschen die Daumen drücken – trotz des 1:7.
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São PauloDie Tragödie Brasiliens hat mit der Niederlage gegen Deutschland begonnen – aber es könnte noch viel schlimmer kommen. Ein Drama wäre, es wenn die Brasilianer heute fassungslos zuschauen müssten, wie ausgerechnet ihr Fußball-Erzfeind Argentinien im Maracanã-Stadion den Pokal überreicht bekommt. Der von Messi emporgereckte Pokal mit einem im Hintergrund jubelnden Maradona – das ist der schlimmste Albtraum der Brasilianer.

Eine nationale Demütigung, über die noch die Urenkel der heutigen Generation diskutieren würden. Schlimmer für die nationale Seele Brasiliens als der Maracanazo 1950, als Uruguay den Brasilianern im Maracanã den sicheren Weltmeistertitel wegschnappte.

Gut für die Deutschen: Jeder Brasilianer wird heute fieberhaft für die Deutschen wetten – fast ist vergessen, dass es die deutsche Mannschaft war, die die Seleção am Dienstag deklassiert und zutiefst blamiert hat.

Doch wie kommt es eigentlich zu der erbitterten Konkurrenz zwischen den beiden Nationen auf dem Fußballfeld? Bei einer Umfrage in Argentinien wenige Tage vor Beginn der WM erklärten 32 Prozent der Argentinier auf die Frage, welches Team sie am liebsten rauskicken würden: Brasilien. Danach kam Großbritannien (22 Prozent) und abgeschlagen Deutschland (11 Prozent). „Brasilien ist eindeutig der meistgehasste Gegner der Argentinier“, sagt der Sportredakteur Andres Eliceche von Editora Perfil in Buenos Aires.

Wer die Chöre der Argentinier in den Stadien bei der jetzigen WM hört, ahnt, wie tief verwurzelt diese Aversion sein muss. Denn immer noch geht es darum, dass Maradona besser sei als Pelé – beides inzwischen ergraute Herren im Rentenalter. „Fünf, fünf, fünf“ brüllen ihnen die Brasilianer dann entgegen für die fünf Weltmeistertitel.

„Sieben, sieben, sieben“ singen seit Dienstag die Argentinier wegen der sieben Gegentore durch Deutschland. Mit Messi und Neymar wird die Maradona-Pelé-Fehde in der nächsten Generation weitergeführt. Dass Neymar wegen einer Verletzung vor dem Halbfinale ausgeschieden ist, macht das gegenseitige Prahlen und Protzen nicht einfacher.

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