Videobotschaft
Neymars bewegender Abschied von der WM

Brasilien steht unter Schock: Neymar fällt für den Rest der WM aus. Doch der Superstar traut seiner Mannschaft auch ohne sich den Sieg zu. „Der Traum vom Titel ist noch nicht vorbei", sagte er in einer Videobotschaft.
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DüsseldorfDie Szenen gehen direkt ins Mark: Ein verwackeltes Handyvideo zeigt, wie eine ganze Kolonne von Ärzten und Krankenpflegern eine Transportliege durch einen Gang schiebt. Das aufgeregte Gemurmel der Menschen wird nur durch das Quietschen der Rollen unterbrochen. Der Verletzte verdeckt sein Gesicht mit einem weißen Tuch. An seinem Arm: Das Schweißband, das er kurz zuvor beim Viertelfinalspiel gegen Kolumbien getragen hat.

Nur wenig später hatte das Gastgeberland Gewissheit über den „Rücken der Nation“: Neymar da Silva Santos Junior, Aushängeschild der brasilianischen Nationalmannschaft, ist so schwer verletzt, dass er bei diesem Turnier nicht mehr spielen kann. Gegenspieler Juan Zuniga hatte den viermaligen WM-Torschützen mit dem Knie am Rücken getroffen. Die Diagnose: Fraktur des Querfortsatzes auf Höhe des dritten Lendenwirbels, Stützkorsett, vier bis sechs Wochen Pause. Ein Weltstar wird zum WM-Zuschauer.

Die Nachricht von der Verletzung des Barcelona-Kickers verbreitete sich rasend schnell und erstickte den brasilianischen Jubel über den Einzug ins Halbfinale. Mannschaftskollege David Luiz brach nach der Partie in den Katakomben des Castelão von Fortaleza in Tränen aus. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff teilte in einem Brief ihre Anteilnahme mit. Das Gastgeberland stand unter Schock.



Noch in der Nacht kehrt Neymar in das Team-Camp in Teresópolis zurück. Allerdings nur für ein paar Stunden – der Superstar wollte sich verabschieden. Der 22-Jährige hat eine bewegende Videobotschaft für seine Fans aufgezeichnet. Sie wurde am Samstag im Fernsehen ausgestrahlt und auf YouTube hochgeladen.

Die Trauer und der Schmerz Neymars sind unverkennbar: Mit stockender Stimme und rotgeweinten Augen sagt er: „Es war mein Traum, ein WM-Finale zu spielen. Aber, aber… Das wird diesmal nicht klappen.“ Dass sein Ausfall auch für die Mannschaft ein Desaster ist, weiß Neymar genauso gut wie jeder andere Brasilianer: „Es ist ein sehr schwieriger Moment, es fehlen die Worte, um auszudrücken, was in meinem Kopf und in meinem Herzen vor sich geht.“

Doch in seiner schwärzesten Stunde versucht Neymar seinem Land auch Mut zu machen. Er glaube fest daran, dass seine Kollegen alles tun werden, um den sechsten WM-Titel zu holen. „Und ich werde bei ihnen sein. Und alle Brasilianer werden sie unterstützen“, sagt der Shootingstar. Dann endet die Botschaft.

Laut Medienberichten wollte der 22-Jährige nach der Aufzeichnung eigentlich bei der Mannschaft bleiben – und bei der Weltmeisterschaft, wenn schon nicht kickend auf dem Rasen, wenigstens als Zuschauer im Kreise seiner Kollegen bis zum Ende dabei sein. Seine Ärzte rieten ihm allerdings, das Camp zu verlassen.

Neymar aß noch gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen zu Mittag. Dann wurde er mit einem Helikopter zu seiner Familie nach Guarujá gebracht – liegend und festgeschnallt auf einer Krankenhaustrage.

Michael Verfürden
Michael Verfürden
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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