Von Beckenbauer bis Beckham

„Der Fußball wird immer erotischer“

Beim Fußball scheitern die Spieler permanent. Warum das fasziniert, weiß Sportphilosoph Gunter Gebauer. Im Interview spricht er über die Schönheit des Spiels, küssende Kicker und heiße Posen der Generation Beckenbauer.
2 Kommentare
Geldmaschine Ronaldo lässt deutsche Stars hinter sich
Real Madrid's Ronaldo celebrates after scoring a goal against Atletico Madrid during their Champions League final soccer match at the Luz Stadium in Lisbon
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Platz 1: Cristiano Ronaldo

Der amtierende Weltfußballer des Jahres ist nicht nur der derzeit beste, sondern auch der bekannteste Spieler der Welt. Laut der Statistik kennen den Portugiesen weltweit 83,9 Prozent. In Ländern wie Italien, Spanien, Deutschland, der Türkei und Argentinien liegt sein Bekanntheitsgrad sogar bei mehr als 95 Prozent. Auch im Social Media-Umfeld macht Ronaldo mit 82 Millionen Facebook-Fans und 26 Millionen Follower bei Twitter eine gute Figur.

DBI-Score: 79,5 Prozent

Borussia Dortmund - FC Bayern München
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Im Tor der Nationalmannschaft ist er die Nummer 1, in diesem Ranking lediglich auf Platz 3 der deutschen Fußballer mit den größten Vermarktungsmöglichkeiten: Manuel Neuer kommt auf 3,2 Millionen Facebook-Likes und 300.000 Twitter-Follower. So manch ein unterklassiger Kicker wird da vor Neid erblassen. Der DBI Score wird auf 48,7 Prozent beziffert. Vor ihm landet...

DBI-Score: 48,7 Prozent

Die Rangliste basiert auf dem so genannten Celebrity DBI (Davie Brown Index). Repucom, nach eigenen Angaben weltweiter Marktführer in der Sportmarketingforschung und -beratung, hat dafür mehr als 6.500 Menschen in 13 Märkten befragt. Die ermittelten Werte sollen nach Repucom-Angaben die Ansichten von mehr als 1,5 Milliarden Menschen reflektieren, das sind 30 Prozent der Weltbevölkerung. Repucom definiert den Marktwert auf Basis von acht Attributen: Bekanntheit, Sympathie, Relevanz, Trendsetter, Einfluss, Vertrauen, Werbewirkung und Identifikation.

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...Mannschaftskamerad Mario Götze. Die Macher der Studie beziffern seinen DBI Score auf 49,3. Der deutsche Meister und Pokalsieger hat 5,6 Millionen Facebook-Fans. Bei Twitter folgen dem Münchener Mittelfeldspieler etwa 800.000 Nutzer. Die deutsche Nummer 1 im Ranking der Fußballer mit dem größten Vermarktungspotenzial ist...

DBI-Score: 49,3 Prozent

Trainingslager Südtirol - Medientag
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... Mesut Özil mit einem DBI Score von mehr als 50 Prozent. Auch in Sachen Social Media hat der gebürtige Gelsenkirchener unter den deutschen Kickern die Nase vorn: 19 Millionen Facebook-Fans folgen ihm. 5,7 Millionen Follower lesen seine Tweets. In der Rangliste der besten 10 ist allerdings kein Deutscher zu finden.

DBI-Score: 53,9 Prozent

Thierry Henry
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Platz 10: Thierry Henry

36 Jahre ist der Franzose mittlerweile alt. Bei den New York Red Bulls ist der Franzose Kapitän und Wortführer. Weltweit kennen ihn 51,62 Prozent. Durch seine lebensfrohe Art begleiten ihn traditionell hohe Sympathiewerte: Auf Facebook mögen 16 Millionen Menschen seine Seite. Obwohl sich seine Karriere dem Ende neigt, unterzeichnete Henry erst vor kurzem einen neuen Sponsoren-Deal mit Puma, der ihm knapp eine Million US-Dollar pro Jahr garantiert.

DBI-Score: 57,6 Prozent

APTOPIX Soccer Euro 2012 Sweden France
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Platz 9: Zlatan Ibrahimovic

Zlatan Ibrahimovic ist der Spieler, der weltweit am besten vermarktet werden kann – aber nicht zur WM nach Brasilien fahren darf. Seine Schweden haben sich nicht qualifiziert. Durch seine spektakulären Tore und markigen Aussagen ist der Exzentriker den meisten Fans mehr als nur ein Begriff. Weltweit kennen ihn 55,8 Prozent der Menschen. In seiner Karriere hat Ibrahimovic bereits zehn Ligatitel mit sechs Klubs in vier verschiedenen Ländern gesammelt. Er ist der sechstbeliebteste Fußballer weltweit, 15 Millionen Menschen folgen ihm auf Facebook.

DBI-Score: 59,07 Prozent

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Platz 8: Iker Casillas

Obwohl nur 49 Prozent den Torwart kennen, ist er auf Platz 15 der beliebtesten Spieler weltweit. Das liegt vor allem an der guten Bewertung derjenigen, die ihn kennen: In sieben der acht abgefragten Kategorien landet der Kapitän der spanischen Nationalmannschaft unter den Top 3 von allen Spielern. 84 Prozent der Casillas-Kenner wären sogar gerne so wie der Keeper. Casillas' dickster Werbedeal dürfte aktuell der mit Ausrüster Adidas sein, der ihm jährlich 1,5 Millionen US-Dollar in die Kasse spült. Zuletzt feierte der WM-Fahrer noch „La Décima“, den zehnten Europapokaltriumph seines Klubs Real Madrid.

DBI-Score: 59,09 Prozent

Brasilien hat Gunter Gebauer vor Beginn der Weltmeisterschaft bereist. Der Wissenschaftler hat Vorträge gehalten, war zu Konferenzen geladen. Was ihn beeindruckt hat? Das Fußballmuseum in Sao Paulo. Das begeistert Schulkinder genauso wie Sportphilosophen, sagt er. Umgehauen hat ihn die Luftfeuchtigkeit in Fortaleza. Wie wollen die da Fußballspielen, hat er sich gefragt. Nun läuft die WM seit zweieinhalb Wochen und der Sportphilosoph schaut sich die Spiele von Berlin aus an. Dort erreicht ihn Handelsblatt Online zum Gespräch.

Handelsblatt Online: Was macht die Schönheit eines Fußballspiels aus?
Gunter Gebauer: Das Gelingen.

So einfach ist das?
So einfach ist es leider nicht. Denn beim Fußball schauen wir die meiste Zeit des Spiels zwei Mannschaften beim Scheitern zu. Das Problem ist, dass Fußball mit den Füßen gespielt wird, also dem Körperteil, der für die Behandlung eines Balls am ungeschicktesten ist. Deshalb springt der Ball häufig weg, kommt nicht beim Mitspieler an oder landet neben dem Tor.

Gunter Gebauer ist Professor für Philosophie und Sportwissenschaft an der Freien Universität Berlin, seit 2012 ist er emeritiert.

Gunter Gebauer ist Professor für Philosophie und Sportwissenschaft an der Freien Universität Berlin, seit 2012 ist er emeritiert.

Und wenn er doch im Tor landet?
Dann erleben wir einen Moment der Schönheit. Zu einem schönen Spielzug gehört, dass er gelingt. Zu einem schönen Freistoß, dass er ins Tor geht. Das sind die perfekten Momente in einem Meer von Zufällen und Unzulänglichkeiten.

Nur für den Torwart ist dieser Moment nicht perfekt.
Das stimmt, denn wir haben es beim Fußball mit einem Nullsummenspiel zu tun. Wenn die eine Mannschaft etwas Schönes zustande bringt, ist sie zugleich grausam gegenüber der anderen Mannschaft. Schönheit und Grausamkeit vereint – durch diese Tragik bekommt das Spiel eine unheimliche Tiefe.

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„Ich würde von Sucht sprechen.“
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2 Kommentare zu "Von Beckenbauer bis Beckham: „Der Fußball wird immer erotischer“"

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  • Sollte es vielleicht nicht eher 'Generation Beckham' heissen.
    "...küssende Kicker und heiße Posen der Generation Beckenbauer."

    Im Untertitel wird von der 'Generation Beckenbauer' gesprochen und von denen will doch keiner mehr heisse Posen und Küsse sehen... oder? *g*

  • Sorry, ich finde als Mann Fussballer nicht erotisch. Ich finde gar keinen Mann erotisch ich steh auf Frauen.

    Ich will lediglich gute Spiele mit vielen Toren sehen.

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