WM-Finale
China jubelt geschlossen für die Deutschen

In der Hauptstadt Chinas dominieren die Farben schwarz-rot-gold, wenn die Deutschen gegen Argentinien im WM-Finale spielen. Dabei behaupten die Chinesen sogar, den Fußball erfunden zu haben.
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PekingChina kennt das Fußballspiel angeblich schon seit der Song-Dynastie. Präsident Xi Jinping hat der deutschen Kanzlerin jedenfalls Anfang der Woche eine Plakette mit einem rund achthundert Jahre alten Bild von einem chinesischen Kaiser beim Kicken geschenkt: eine Gabe von einem Fan zum anderen. Doch während Merkel der Stolz auf die Fortschritte der Nationalelf sichtlich anzumerken war, muss China auf historischen Glanz verweisen.

Chinas Nationalmannschaft ist chronisch erfolglos und hat auch wenig Chance auf baldige Besserung. Die chinesischen Fans haben deshalb das Nächstliegende gemacht und sich an den deutschen Zug angehängt. Online-Analysen belegen, dass eine deutliche Mehrheit der Chinesen für Deutschland jubelt. Während unter den Vereinen der britische Klub Arsenal vorne liegt, erhält unter den Nationalmannschaften Deutschland den meisten Zuspruch, wie eine Studie der Universität Coventry zeigt.

Das ist in China deutlich sichtbar. In der Innenstadt von Peking laufen am Sonntag ganze Rudel von jungen Leuten herum, die wahlweise in den schwarz-weißen Trikots der DFB-Auswahl gekleidet waren oder sich gleich in schwarz-rot-gold hüllen. Darunter befindet sich auch die 30-jährige Wang Xiaomei, die sich am Nachmittag in dem Restaurant „Lugas“ im Stadtteil Sanlitun die Wiederholung des Spiels Brasilien-Niederlande ansah.

Ihr Freund wollte eigentlich nicht so recht mitkommen, aber die junge Lehrerin hat darauf bestanden, auch die Wiederholung unter Leuten zu schauen. Ob sie sich das Finale live ansieht, weiß sie allerdings noch nicht. Das Spiel kommt Montagfrüh um drei Uhr nachts chinesischer Zeit, und sie muss am Tag darauf regulär arbeiten. „Aber eigentlich darf ich dieses Ereignis nicht verpassen!“, sagt sie. „Schließlich will ich Deutschland anfeuern.“

Trotz der nächtlichen Sendezeit schauen mehr Chinesen die Spiele mit deutscher Beteiligung als Deutsche, worauf Ex-Premier Wen Jiabao auch Kanzlerin Angela Merkel noch einmal hingewiesen hat. Trotz der nächtlichen Übertragungszeit schalten über 100 Millionen Haushalte ein. In Fernost kommt also noch einmal Einiges an positiver Fan-Energie zur Unterstützung der Deutschen zusammen.

Jetzt, wo Deutschland mindestens zweiter wird, sehen die chinesischen Fans ihr Vertrauen in das Team von der anderen Seite des Erdballs bestätigt. Sie haben Deutschland vor den Fernsehern und beim Public Viewing auch bisher laut unterstützt – auch in der Hoffnung, auf einen Sieger zu setzen.

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Viele Chinesen kennen deutsche Fußballer

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