WM-Finale im Flugzeug
Im Blindflug durchs Endspiel

Während die Welt das WM-Finale guckt, sitzt unser Redakteur im Flieger. Die Maschine kann nicht übertragen. Deshalb improvisieren Kapitän, Stewardess und ein Helfer am Boden. Das Protokoll des Endspiels in der Luft.
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Irgendwo in AfrikaIch bin kein fanatischer Fußballfan. Aber: Seit der WM '86 habe ich noch nie ein Spiel der deutschen Mannschaft bei einem Turnier verpasst. Bis auf eines, weil ich bei einer Schultheater-Aufführung auf der Bühne stehen musste. Es war das EM-Finale '96. Als wir Europameister wurden.

18 Jahre später sollte sich dieses ganz persönliche Drama wiederholen. Am Sonntag, dem Abend des WM-Finales Deutschland-Argentinien, stehe ich nicht auf einer Fanmeile, sitze nicht in der Kneipe - ich sitze auf Platz 61G, 12.000 Meter über dem Sambesi, in einem Airbus A380 der Lufthansa von Johannesburg, Südafrika, nach Frankfurt.

„Guten Abend und Entschuldigung, dass wir das Spiel nicht übertragen können“, hatte der Kapitän durchgesagt, noch bevor die Türen geschlossen waren. Er klang selbst ein wenig frustriert. „Was ich aber tun kann“, schob er nach, „ist dies: Ich werde Sie mit Infos auf dem Laufenden halten“.

Wir haben Pech gehabt: Zwar zeigte die Lufthansa auf vielen ihrer Langstrecken-Jets die WM-Spiele - doch eben nicht bei uns. Der Flieger, den wir eigentlich hätten nehmen sollen, war kaputt, es musste Ersatz her. Und der Ersatzflieger kann nicht live übertragen.

Immerhin hängen Deutschlandfahnen am Getränke-Trolley, die Flugbegleiter tragen schwarz-rot-gelbe Fanschminke im Gesicht. Die Riesenmaschine ist halbleer, wer will schon an diesem Abend fliegen? Als wir unseren Flug vor einem Dreivierteljahr buchten, war die WM noch weit weg. Jetzt ist sie da. Irgendwo da draußen. Und wir müssen jetzt im Blindflug durch.

Es wird an diesem Abend drei Helden geben: den Kapitän, einen Mann irgendwo in der LH-Zentrale in Frankfurt, der Fernschreiben mit Zusammenfassungen an den Cockpit-Drucker schickt, und eine Stewardess, die mir die Zettel vorbeibringt. Die drei sind mein persönliches Kommentatoren-Team.

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