WM-Gruppe E im Teamcheck
Frankreich marschiert – auch ohne Ribéry

Das Wohl und Wehe der Franzosen hängt nicht von Bayern-Star Ribéry ab. Das Team ist gefestigt und sollte die Schweiz hinter sich lassen. Ecuador und Honduras werden ohnehin nicht über eine Statistenrolle hinauskommen.
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DüsseldorfAlle reden sie in Frankreich von Franck Ribéry und seinen Wehwehchen. Der Bayern-Star ist seit Wochen nicht fit, insbesondere der Rücken plagt ihn. Darunter litt schon das Bayern-Spiel in der Endphase der Saison. Und dann ging das Drama in der französischen Nationalmannschaft weiter. Einen großen Teil der WM-Vorbereitung machte der Star der Franzosen nicht mit - und dann kam am Freitag das überraschende WM-Aus.

Neben Ribèry fällt für die WM auch der am Oberschenkel verletzte Mittelfeldspieler Clement Grenier aus. Für das Duo werden Rémy Cabella (HSC Montpellier) und Morgan Schneiderlin (FC Southampton) nachnominiert.Doch auch ohne Ribèry spielen die Franzosen groß auf. So wurden die Norweger in beeindruckender Manier vom Platz gefegt. Beim 4:0-Kantersieg hallte in den Schlussminuten die Marseillaise – die französische Nationalhymne – von den Rängen des Pariser Stade de France. Viele der 75.000 Fans schienen das Fiasko bei der WM 2010 in Südafrika vergessen zu haben.

Mut machte den Franzosen, dass die Mannschaft gut spielte, obwohl etliche Stammkräfte fehlten. „Wir haben die Begeisterung auf den Rängen mitbekommen, das tut sehr gut“, meinte Spielmacher Mathieu Valbuena. Die Medien überschlugen sich gar mit Lob. Von „Samba-Fußball“ und „Offensiv-Orgie“ war die Rede. Die Sportzeitung „L'Équipe“ titelte: „Das macht Lust!“

Genauso wie der hochverdiente Sieg gegen die Niederländer im März. Die Partie war zwar zerfahren, und es fehlte auch das Tempo. Dennoch überzeugten die Franzosen, weil sie in der Abwehr wenig zuließen und durch blitzschnelle Konter glänzten. Zwei traumhafte Tore durch Benzema und Matuidi waren die Folge.

Auch da fehlte Ribéry, mit dabei war jedoch der neue Jungstar der Franzosen, Paul Pogba, der bei Juventus Turis spielt. Das Internationale Zentrum für Sportstudien (CIES) aus der Schweiz hat den 21-Jährigen gerade zum sechstwertvollsten Fußballspieler der Welt gekürt – knapp hinter dem Brasilianer Neymar, aber vor dem Waliser Gareth Bale, der für Real Madrid spielt.

Den Marktwert von Pogba schätzten die Schweizer Experten auf immerhin 66 Millionen Euro. Bale, für den Real rund 100 Millionen Euro zahlte, wird dagegen nur auf 64 Millionen Euro geschätzt. Der junge „Motor“, wie er bei den Franzosen genannt wird, hat erst eine Handvoll Länderspiele absolviert. Durch durch eine starke Saison bei Juventus hat er sich in den Vordergrund gespielt.

Fazit: Für den inzwischen 31 Jahre alten Ribéry wäre die WM wohl die letzte Chance auf einen ganz großen Titel gewesen. Sein Ausfall ist für ihn selbst aber bitterer als für sein Team. Trainer Didier Deschamps war gut beraten, nicht zu sehr auf einen nur halbwegs fitten Spieler zu setzen. Er hat genügend andere Stars aus großen Vereinen, die in diese Lücke springen können.

Prognose: Die Franzosen sind als Mannschaft kompakter geworden. Frankreich ist in der Gruppe E der Favorit und wird sich auch gegen die starken Schweizer durchsetzen. Ecuador und Honduras bringen nicht die nötige Spielerqualität mit nach Brasilien, um die Franzosen aus dem Tritt zu bringen.

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