WM-Gruppe H im Teamcheck
Belgien und die drei ???

Fachleute bekommen glänzende Augen, wenn sie über Belgien sprechen. Unserem Nachbarland trauen sie eine großartige WM zu. Zu Recht! Dabei kommt den Belgiern zugute, dass sie in der Gruppe nicht gefordert werden.
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Pssst – jetzt verrate ich Ihnen ein Geheimnis. Belgien ist überhaupt kein Geheimfavorit. Dabei schreiben die Fußballweisen allerorten, dass das Team aus unserem Nachbarland ein Geheimtipp auf den Titel bei dieser Weltmeisterschaft ist. Aber kann jemand tatsächlich als Geheimfavorit gelten, wenn so viele ihn als solchen bezeichnen?

Für mich ist Belgien daher einfach eine ziemlich gute Mannschaft, die in Brasilien durchaus etwas reißen kann. Was vor allem am Personal liegt. Anders als in früheren Jahren, als Torhüter Jean-Marie Pfaff regelmäßig als Spieler des Spiels gefeiert wurde, glänzt mittlerweile die Offensive. Romelu Lukaku (Everton) und Eden Hazard (Chelsea) bewiesen gerade erst beim Test in Schweden, dass nicht mehr die Abwehr das Prunkstück ist. Angekurbelt wird das Spiel vom Bundesligaprofi Kevin de Bruyne, der in der Nationalmannschaft konstant die Leistungen zeigt, auf die sie bei seinem Arbeitgeber in Wolfsburg noch warten.

Mit erfrischendem Fußball und ohne eine einzige Niederlage marschierte der Zwölfte der Fifa-Weltrangliste – der die beiden Turniere in Deutschland und Südafrika verpasst hatte – durch die Qualifikationsgruppe. Und auch die Spiele vor dem WM-Start – wenn auch nicht gegen die ganz großen Gegner – wurden souverän bestritten.

Erbe des legendären Pfaff ist Thibaut Courtois. Auch ihm hat Atletico Madrid den Meistertitel in Spanien und die Finalteilnahme in der Champions League zu verdanken. Vor ihm verteidigen Spitzenkräfte alla Vincent Kompany (Manchester City) und Thomas Vermaelen (Arsenal). Überhaupt fällt auf, dass nahezu der komplette Stamm bei Klubs aus den europäischen Top-Ligen unter Vertrag steht – vornehmlich in England.

Trainiert wird die Truppe, von denen sich die meisten schon seit Jahren kennen, vom Schalker Eurofighter Marc Wilmots. Er lebt die Begeisterung und Willensstärke vor, die notwendig ist, um eine junge Mannschaft in einem Turnier bei Laune zu halten. Dass er nicht nur zum Motivator und Pausenclown taugt, sondern auch etwas von Taktik versteht, hat Wilmots mit den Erfolgen in der Qualifikation bewiesen. Nun gilt es, den hohen Erwartungen in Belgien und unter den Fachleuten auch unter Prüfungsbedingungen gerecht zu werden.

Fazit: Die Voraussetzungen sind für die roten Teufel günstig wie selten: Die Truppe ist jung und hochkarätig besetzt, der Trainer ist noch recht jung und mittlerweile hochkarätig und die Auslosung hat es gut mit den Belgiern gemeint.

Prognose: Belgien schafft den Sprung in die Hauptrunde mit links. Das liegt zum einen an der eigenen Stärke, zum anderen an der Konkurrenz. Algerien, Südkorea und Russland werden den Belgiern den Gruppensieg überlassen müssen. Und diese sollten ihn sich auch tunlichst sichern, falls sich Deutschland ebenfalls als Gruppensieger durchsetzt. So lässt sich ein Achtelfinale vermeiden, in dem die Nachbarländer aufeinandertreffen. Und dann kann Belgien den Erfolg von 1986 wiederholen, als man bis ins Halbfinale kam. 

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