WM-Halbfinale Brasilien vs. Deutschland
Erst der Neymar-Schock, dann Wut, nun Trotz

Die Brasilianer lassen sich von der Verletzung ihres Superstars Neymar nicht entmutigen. Sie wollen unbedingt ins Finale, beschwören ruhmreiche Zeiten – dabei ist der Respekt vor Deutschland groß, weiß unser WM-Reporter.
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Rio de JaneiroJa, sie haben Respekt vor dieser deutschen Mannschaft. Nicht nur, weil sie sich ein paar WM-Spiele im Fernsehen angeschaut haben. Die Bundesliga gehört in Brasilien für viele Fußballfans zum Pflichtprogramm. Guilherme läuft selbst hin und wieder im Trikot von Bayern München über die Avenida Atlántica in Copacabana. Auch heute? „Auf keinen Fall.“

Guilherme ist Tankwart an einer kleinen Station in der Nähe des berühmtesten Strandes von Rio de Janeiro. Bis 14 Uhr hat er an diesem Dienstag Schicht, dann muss er nur einmal über die Straße gehen und ist schon auf dem riesigen Fanfest. „Ich hoffe, dass sich die Mannschaft nicht zu sehr von Neymars Ausfall beeindrucken lässt, aber unser Spiel verliert ohne ihn natürlich an Kreativität“, sagt er.

Neymar – Spitzenstürmer, Werbeikone und Frauenschwarm – bestimmt derzeit jedes Gespräch über die WM. Im Viertelfinale gegen Kolumbien traf ihn das Knie von Juan Zuniga im Rücken, ein Wirbel brach und das Turnier für Neymar war damit beendet. Im TV lief die Szene am Wochenende scheinbar in Dauerschleife, unterbrochen nur von Liveschalten aus dem Krankenhaus.

Das Foul hat eine Kettenreaktion der Gefühle ausgelöst. Auf den Schock („Das kann nicht wahr sein“), folgt die Verzweiflung („Das war‘s mit dem Titel“), folgt die Wut („Dieser verdammte Kolumbianer, dieser verfluchte Schiedsrichter“), folgt der Trotz.

„Der spanische Schiedsrichter wollte, dass wir rausfliegen“, klagt Isabel, die in ihrem Laden Souvenirs verkauft – vornehmlich in Gelb und Grün. „Aber dieses Foul macht uns Brasilianer nur noch stärker.“ Das Team werde zusammenrücken und alles geben. „Jetzt geht es um die Ehre.“

In den Zeitungen diskutieren sie auf den Titelseiten, wer Neymar im Spiel gegen Deutschland ersetzen soll. Willian, ein Spieler des FC Chelsea, oder doch lieber Bernard, der bei Schachtar Donezk in der Ukraine unter Vertrag steht. Antonio fragt die Gäste, die an seinem Strandkiosk am Tresen stehen. Es gibt keine langen Diskussionen, die Mehrheit ist für Willian.

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