WM-Reporter an der Copacabana
„Spielen ziemlich gut – aber nur die Anderen“

An der Copacabana trifft sich die deutsche Fangemeinde an einem Kiosk. Der ersehnte, aber späte Treffer im Spiel gegen Algerien lässt den Wirt den Kühlschrank öffnen – und treibt einen Engländer zur Verzweiflung.
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Rio de JaneiroDeutschland zittert, Deutschland bangt – doch am meisten leidet ein Engländer. „Dieser verfluchte Müller, trifft in jedem Spiel, nur heute nicht“, schimpft Johnny aus London. Er schaut sich mit seinem Freund Steve das Achtelfinale der DFB-Elf gegen Algerien an und kann sich überhaupt nicht beruhigen. „Ich – ein Engländer – habe einmal im Leben auf diese verdammten Deutschen gewettet. Und dann schießen die einfach kein Tor.“

Nur wenige Meter neben ihm leiden auch Rudi, Franz und Toni, alle im Trikot der Nationalmannschaft und mit schwarz-rot-goldenen Perücken. „Ein verrücktes Spiel, Algerien ist echt gut, aber Deutschland muss gewinnen“, sagt Rudi, der die Nummer 7 auf dem Rücken trägt. Dabei hat der Student, der in Rio lebt, noch ein zweites Eisen im Feuer. „Ich bin Halbbrasilianer, notfalls muss ich für die nächsten Spiele das Trikot wechseln.“

Als die Verlängerung beginnt ist die Spannung an diesem Kiosk, ganz am Ende der Copacabana hoch. Für einige ist selbst dieses Spiel – zuvor vielfach als Pflichtprogramm belächelt – zu nervenaufreibend. Sie gehen am Strand spazieren, während die anderen in den Strandstühlen an den Fingernägeln kauen. Mehrere Fernsehgeräte sind aufgebaut, einige halten Schilder mit der Aufschrift „TOOOR!“ hoch, es wird viel Deutsch gesprochen.

Dass sich ausgerechnet dieser Kiosk, zehn Gehminuten abseits der offiziellen Fanmeile von Rio, im Schatten des Morro do Leme zum Treff der Deutschen gemausert hat, verdankt der Wirt dem Konsulat. Die Offiziellen haben für den Ort geworben, da direkt daneben auf der Promenade seit Mai die Buddy-Bär-Ausstellung zu sehen ist.

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