WM-Reporter im SOS-Kinderdorf
Die Rendite der Sommermärchen-Millionen

Regisseur Sönke Wortmann hat mit „Deutschland – ein Sommermärchen“ die Zuschauer begeistert. Der Erlös von rund vier Millionen Euro ging an ein SOS-Kinderdorf bei Recife. Doch was ist daraus geworden? Ein Ortsbesuch.
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IgarassuWenn sie jemals Zweifel bekommen und sich fragen, warum sie das alles machen, dann denken sie an Laudeci. Das Mädchen, das ihre Eltern nicht kannte, das nicht sprach, das sich den Unterarm ritzte, als es mit sieben Jahren in das SOS-Kinderdorf von Igarassu kam. „Wir haben ihren Großvater ausfindig gemacht, so hat sie ihre Mutter, die an Depressionen litt und sie als Baby abgegeben hatte, wiedergefunden“, erzählt Christiane Lima Fernandes Casal. „Heute ist Laudeci 15, geht zur Schule, wohnt bei ihrer Mutter uns sagt: Ich kümmere mich jetzt um sie.“

Christiane ist verantwortlich für das SOS-Kinderdorf und seine Bewohner in Igarassu, eine brasilianische Kleinstadt, die etwa 30 Kilometer nördlich von der Millionenstadt Recife liegt. Dass das Dorf gebaut wurde, hat mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu tun. Damals sammelte der weltweite Kinderdorf-Verein Spenden, kündigte den Bau von sechs Dörfern in sechs unterschiedlichen Kulturkreisen an. 21 Millionen Euro kamen damals zusammen, die größte Einzelspende veranlasste Regisseur Sönke Wortmann.

„Bei der WM 2006 war SOS-Kinderdorf der Charity‐Partner der Fifa. Wir haben vereinbart, dass der Reinerlös des Sommermarchen-Films an die Organisation geht“, erzählt Wortmann im Gespräch. „Mehr als vier Millionen Euro sind dabei zusammengekommen. Ich selbst wurde Pate für das Projekt in Recife.“ Zur Eröffnung des Dorfs im November 2007 reist Wortmann nach Brasilien, später kommt er noch ein weiteres Mal.

Laudeci hat in Igarassu im Haus von Lerivane de Aranjo gewohnt. Die Kinderdorf-Mama ist seit der Eröffnung dabei. Heute kümmert sie sich unter anderem um Patricia, Maria, Anderson, Andres. Die Mädchen schauen Fernsehen, es ist Feiertag in Brasilien, außerdem regnet es. Anderson spielt in seinem Zimmer, den Raum teilen sie sich zu Dritt. Bis zu acht Kinder – von Babys bis zu 18-Jährgen – nimmt eine Mutter unter ihre Fittiche. Es ist ein Knochenjob.

Lerivane wohnt mit ihren Kindern in einem der 14 hellblauen Häuschen, die auf einem 15.000-Quadratmeter-Feld gebaut wurden. Die Regierung hat das Grundstück zur Verfügung gestellt. Zudem gibt es dort Büros für Familienberatungen und ein soziales Zentrum zum Toben, Basteln, Trommeln. „Mich überzeugt an dem Projekt, dass sich die Hilfe nicht nur auf die Kinder beschränkt, die das Glück haben, einen Platz im Dorf zu bekommen“, sagt Regisseur Wortmann. „Es gibt auch Jugendzentren und Anlaufstellen, von denen gleich ein paar 1000 Kinder und Jugendliche profitieren.“

Wie viele es genau sind, darüber führt Yara Lanfredi de Andrade Buch. Sie arbeitet im nationalen Büro der SOS-Kinderdörfer in Sao Paulo, hat den Überblick über alle Programme in Brasilien. In Igarassu wohnen derzeit rund 60 Kinder und Jugendliche bei Kinderdorf-Müttern, rund 300 bekommen Hilfe durch das soziale Zentrum. Brasilienweit leben 735 Kinder in Familien, erreicht werden von allen Angeboten knapp 5500 Kinder und Jugendliche.

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