Commerzbank, Deka, Deloitte Warum sich Banken in WM-Tipps versuchen

Deutschland wird Weltmeister. Vielleicht. Ergebnisprognosen von Ökonomen versuchen sich als Orakel ohne Gewähr – mit Hintergedanken.
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WM: Warum sich Ökonomen in Tipps versuchen Quelle: AFP
Entscheidend ist auf dem Platz

Banken und Unternehmen probieren sich in Ergebnisprognosen.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDie Dekabank tut es, die Commerzbank, die UBS, Goldman Sachs hat es getan, auch Deloitte ist auch dabei. Es geht um die Fußball-Weltmeisterschaft und darum, die Resultate der Spiele vorherzusagen. Es geht um möglichst objektive und datengestützte Prognosen, wer wie hoch gewinnt.

Banken und Beratungsunternehmen nutzen Fußballturniere inzwischen gern, um die Leistungsfähigkeit ihrer Rechenmodelle aus den Disziplinen „Big Data“ und „Künstliche Intelligenz“ zu präsentieren. So auch zur WM 2018.

Dabei geht es mehr darum, Statistikmodelle und Algorithmen nach außen hin greifbar zu machen, als ernsthaft Daten zu produzieren. „Gleichermaßen analytisch sauber wie auch augenzwinkernd“ relativiert Deka-Volkswirt Holger Bahr die Ernsthaftigkeit der Studie, trotz des „qualitativen Ansatz“.

Die Commerzbank verweist im Vorwort ihrer Studie zur „Ökonomie der Fußball-WM 2018“ auf die hohe Fehlerquote der Prognose. Die Schweizer Großbank UBS analysiert anhand ihrer Tools für die Bewertung von Investments, Deloitte setzt gleich ein eigenes Tippspiel auf.

Zentrale Gemeinsamkeit: Die Studien sehen Deutschland wahrscheinlich im Finale, und gleich mehrfach als Weltmeister. Das kommt im Land des Titelverteidigers naturgemäß gut an und erzeugt – was zu beweisen war – großes Medienecho.

Um Deutschland zu den Turnierfavoriten zu zählen braucht es grundsätzlich kein statistisches Modell, selbst tiefergehende fußballerische Sachkenntnis ist nicht unbedingt notwendig. Die wissenschaftliche Annäherung folgt dem Ansatz, mittels umfassender Datensätze Zufallsmomente so weit wie möglich auszuschließen und ratifizierbare Zusammenhänge herzustellen – ein ökonomischer Ansatz.

So kann es sinnvoll sein, Faktoren wie den Heimvorteil, Wetter und Gegner in die Berechnungen einzubeziehen, solange sie sich strichhaltig begründen und damit gewichten lassen. Möglich, aber ohne Aussagekraft wäre zum Beispiel, Auswärtssiege Costa Ricas mit der Rübenernte im Münsterland in Relation zu setzen. Deka, Deloitte und Commerzbank bemühen daher das ELO-Rating als messbare Größe.

Das System, einst geschaffen, um die Stärke von Schachspielern zu erfassen, ist inzwischen im Fußball etabliert. Grob gesagt berücksichtigt es Mannschaftsergebnisse und setzt sie in Relation zu anderen Teams, berücksichtigt erzielte Erfolge und Konstanz. Die Details der weiterführenden Algorithmen bleiben derweil unter Verschluss. Diese statistischen Methoden sind Betriebsgeheimnis – und Kern der eigentlichen Geschäftsmodelle.

Die Vergleichsgröße, an der sich die Tipps der Ökonomen messen müssen, sind die Quoten der Wettanbieter. Wettquoten speisen sich auf lange Sicht aus den getätigten Einsätzen der Spieler. Die anfänglichen Gewinnquoten werden im Fußball praktisch monopolistisch vom Unternehmen Sportradar ermittelt. Der Schweizer Datendienstleister erfasst weltweit Partien und überwacht dabei auch die Wettmärkte auf auffällige Bewegungen, die auf Manipulation hindeuten können.

Welche Chancen Deutschland den Statistiken zufolge hat, wieder Weltmeister zu werden? In der Relation ziemlich gute, absolut nicht ganz so gute. Die Deka kommt mit ihrer Simulation auf eine Wahrscheinlichkeit von 7,3 Prozent, nur ein Sieg Brasiliens liegt mit 7,7 Prozent höher. Erreicht die DFB-Auswahl das Finale, wird sie das zu 60 Prozent gewinnen, sagt der Computer. Gleichzeitig liegt die Chance, in der Vorrunde auszuscheiden bei 40 Prozent.

Die Commerzbank beziffert die Wahrscheinlichkeit eines deutschen Siegs bei 18,3 Prozent, was der beste Wert aller Mannschaften ist. Dem Modell zufolge ist es mit rund 82 Prozent deutlich wahrscheinlicher, dass das nicht passiert. Auch Deloitte, die in ihre Prognosen unter anderem den Austragungsort mit einbeziehen, sieht Deutschland gegen Brasilien im Finale. Die Unternehmensberater wagen sich sogar an konkrete Ergebnisprognosen, die letztlich für die Hauptrunde dem ohnehin statistisch häufigen Ergebnis 2:1 entsprechen.

Spannend wäre sicherlich diese konkrete Vorhersage mit denen des Teams der Prognose-Plattform Kickform zu vergleichen. Die Münsteraner versuchen auch Zufallsmomente zu berücksichtigen – schließlich ist das Kerngeschäft des Start-ups nicht die Geldanlage-, sondern die Tippspielempfehlung. Die Formeln entwickelt Physikprofessor Andreas Heue. Entsprechend weiter kann sich Kickform aus dem Fenster lehnen.

Das bringt dem Team eigenen Angaben zufolge bei den europäischen Top-Ligen eine saisonbegleitende Trefferquote von gut 70 Prozent. Bei der WM, sagt Kickform, sorgt der komprimierte Spielmodus jedoch für höhere Abweichungen. Aber auch hier hat Deutschland ganz gute Aussichten: bei 17 Prozent wird die Wahrscheinlichkeit einer Titelverteidigung taxiert. Brasilien ist da mit 31 Prozent jedoch klar voraus.

Klar ist: Die meisten WM-Prognosen sind bewusst Leistungsshow ohne Gewähr. So wie bei Goldman Sachs, deren Ergebnismodell für die WM 2014 zur Tippspiel-Blamage beim Handelsblatt führte. Doch die Vorhersagen sollen eben auch nicht Fußballfans zu Wettkönigen machen, sondern potenziellen Kunden vor Augen führen, was technisch alles machbar ist.

Keiner der Beteiligten dürfte aber traurig darüber sein, wenn die Tipps zufällig stimmen.

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