Airbus sucht Käufer
A380 auf dem Flug ins Ungewisse

Airbus sucht händeringend Käufer für die A380 – selbst auf der Hausmesse in Le Bourget finden sich keine Neukunden für den Riesenflieger. Droht dem Milliarden-Projekt nun das Aus?
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München/Le BourgetSie ist schon etwas betagt. Vor zehn Jahren absolvierte die doppelstöckige A380 ihren Erstflug, 2007 wurde die erste Linienmaschine ausgeliefert. Doch in der Luftfahrt ist das kein Alter. Immer noch ist das Flugzeug ein Star. So auch derzeit im französischen Le Bourget. Besucher können dort am Boden eine A380 von Qatar Airways bestaunen, ein weiteres Flugzeug ist bei Flugmanövern zu beobachten.

Kein Flugzeug ist größer, keines imposanter und keines teurer. Über 400 Millionen US-Dollar ruft Airbus laut Liste für ein Exemplar auf. Airbus verspricht dafür eine deutlich bessere Effizienz und damit niedrigere Kosten. Dennoch mutiert das Airbus-Flaggschiff zum Ladenhüter. Seit drei Jahren wartet der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern nun schon auf einen Neukunden. Aber auch auf seiner „Hausmesse“ in Le Bourget ist keiner in Sicht.

Airbus steckt in einem Dilemma. Einerseits braucht das Unternehmen neue Kunden für den Riesen, soll er zu einem wirtschaftlichen Erfolg werden. Nach Produktionsproblemen dürfte es Airbus in diesem Jahr zum ersten Mal gelingen, rund 30 Exemplare auszuliefern und zumindest operativ in die schwarzen Zahlen zu kommen. Doch kommen nicht bald neue Aufträge, muss schon 2018 die Produktion gedrosselt werden, wie es in der Konzernzentrale in Toulouse heißt. Eine profitable Produktion ist dann kaum mehr möglich. Und die Entwicklungskosten von zwölf Milliarden Euro sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Es habe in den zurückliegenden zwölf Monaten nur wenige Orders für solche Großraumflugzeuge gegeben, sagt Ben Moores, Analyst beim Marktforscher IHS Aerospace, Defence Security: „Es wären mindestens 20 Neubestellungen notwendig, um die künftige Produktion abzusichern.“

Andererseits hängt der Kaufwille potenzieller Kunden an einer Modernisierung des Flugzeugs, die erneut viel Geld kosten würde. Großkunde Emirates etwa würde neue Maschinen kaufen, allerdings nur, wenn Airbus neue Triebwerke und Flügel spendiert, es also eine A380 neo geben wird. „Die A380 neo muss gebaut werden“, sagte Tim Clark, der Chef von Emirates, am Rande der Paris Air Show: „Wir würden nicht nur alle unsere bisherigen A380 mit dem Neo ersetzen, sondern zusätzliche für das Drehkreuz in Dubai ordern.“

Das wären mindestens 100 Flugzeuge. Doch Airbus-Chef Tom Enders reicht das nicht. Er will den Aufwand für die Entwicklung des Neo, der vom Unternehmen auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt wird, nur investieren, wenn sich weitere Kunden finden - möglichst in China.

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  • Der A380 ist für mich ein tolles Flugzeug. Wenn Airbus und die Fluggesellschaften verstehen würden, dass aber doch eigentlich der Passagier ihr Kunde ist, wäre der A380 auch ein Erfolg. Aber, die wissen das doch. Bessere First, bessere Business - eng, wie überall in Eco. Schmeißt die 50 Sitze, die so wie so frei bleiben raus und bietet mehr Komfort in Eco. Das ist für jeden Passagier auf der Langstrecke, oft nachts, wichtig. Premium Eco ist sicher die richtige Richtung, aber ein Preis Eco+100% für 50% mehr Platz ist nur einseitige Gewinnmaximierung, zielt eigentlich auf die "verlorenen" Geschäftskunden und vernachlässigt das Eco Kundenpotential.

  • Was wurde uns nicht alles erzählt, warum man ausgerechnet solch ein Flugzeug benötigt. Jetzt wird klar, es war französisches Prestigedenken ... ohne jegliche Markt- und Kostenorientierung.

    So ist es, wenn politische Träumereien die Realität überdecken ... nicht anders als beim EUR-Projekt und so vielen anderen Prestige-Fantastereien!

    Weniger ist mehr ... bei Flugzeugen nicht anders als bei der Größe eines Währungsraumes. Nicht schiere Größe entscheidet über Erfolg, sondern Flexibilität, Effizienz und Kundenorientierung.

    Und das sind die Stärken, die im dezentral aufgestellten und mittelstandsorientierten Deutschland den Wohlstand begründet haben. Aber unter dem politischen Mantra nach "Meeeehr (Süd) Europaaa" wird das alles von CDUSPDGrüne verheizt.

  • @Herr Renatus Isenburg:

    Könnte man so sehen. Aber evtl. liegt es auch am Konkurrenzkampf mit Boeing.
    »Wer mit dem Teufel essen will, braucht einen verdammt langen Löffel« oder eine NSA die dabei behilflich ist. Oder warum fällt ausgerechnet jetzt ein A400M vom Himmel? – Ich weiss, alles VT ;–)

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