Airbus und Boeing: Der spannende Flug ins MoM-Segment

Airbus und Boeing
Der spannende Flug ins MoM-Segment

Experten erwarten, dass Boeing bald ein komplett neues Flugzeug vorstellen wird. Damit soll das neue Marktsegment „Middle of the market“ (MoM) erschlossen werden. Wie Airbus eine Boeing 797 kontern könnte.
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ParisSeit Jahren bekämpfen sich die beiden Flugzeug-Riesen Boeing und Airbus in der zivilen Luftfahrt auf zwei Gebieten: den Kurz- und Mittelstreckenjets sowie den Großraum-Flugzeugen für die Langstrecke. Bald könnte ein dritter Markt dazukommen, genannt „Middle of the market“ (kurz MoM). Gemeint ist ein Flugzeug-Muster für 225 bis 260 Sitze, das auch für Langstrecken geeignet ist.

Neu ist das MoM-Segment nicht. Boeing hatte bis 2004 die 757 im Angebot, mit gut 1.000 gebauten Exemplaren eine durchaus erfolgreiche Maschine. Doch seitdem gibt für das Mittelstreckensegment kein spezielles Flugzeug. Zwar vermarktet Airbus seine A321neo, als LR-Version ausgestattet mit zusätzlichen Tanks, als MoM-Gerät. Rund 240 Passagiere kann das Flugzeug in einer reinen Economy-Bestuhlung fassen und 7.400 Kilometer weit fliegen. Doch die 757 schaffte in der größten Version sogar bis zu 295 Passagiere.

Auch deshalb glauben die Experten bei Boeing, dass es durchaus Platz im Markt für ein neues Flugzeug gibt. Und einen Namen haben sie auch schon: 797. Im März skizzierte Boeing-Marketingchef Randy Tinseth erste Ideen für ein solches Flugzeug. Es soll wie die Großraumjets zwei Gänge haben und in zwei Varianten gebaut werden. Die erste fasst mehr Passagiere, kann dafür nicht ganz so weit fliegen, die andere verzichtet auf einen Teil der Sitzplätze zugunsten einer höheren Reichweite. Mit der US-Airline United hat auch bereits ein erster Kunde Interesse an solch einem Flugzeug angemeldet.

Die spannende Frage ist, ob und wie Airbus darauf reagieren wird. Branchendienste und Nachrichtensender wie CNN machten vor einiger Zeit die angebliche Antwort der Entwickler in Toulouse publik: ein Jet auf Basis der A320-Familie, eine A322 oder auch A321++. Sie soll leichte Tragflächen aus Kohlefaser haben und mehr als 240 Sitze fassen.

Der Plan hätte einen Vorteil: Airbus müsste das Flugzeug nicht von Grund auf neu entwickeln. Für die Boeing 797 veranschlagen Experten bis zu 15 Milliarden Dollar an Entwicklungskosten. Um das zu rechtfertigen, muss Boeing erst mal genug Auftraggeber akquirieren. Und schneller als das Modell der Konkurrenz könnte der Airbus auch auf den Markt kommen.

Allerdings hat der Airbus-Ansatz auch Nachteile. In einem Flugzeug mit zwei Gängen dürften sich die Fluggäste auf Langstrecken komfortabler fühlen, nicht so eingepfercht. Und Airlines, die großen Wert auf eine Business-Klasse legen, könnten die Boeing-Variante vorziehen, denn die zwei Gänge bieten einen besseren Zugang zu den einzelnen Business-Sitzen. Vielfliegern, die bereit sind, mehr zu bezahlen, größere Kletteraktionen zuzumuten, ist schwierig.

Wie intensiv Airbus den Plan einer A322 tatsächlich verfolgt, ist offen. Bislang gibt man sich betont gelassen hinsichtlich der Boeing-Pläne. „Wir haben mit der A321 rund 80 Prozent Marktanteil, die hat bis 240 Sitze, von oben kommt die A330 neo mit 257 Sitzen – da haben wir überhaupt keinen Handlungsdruck und sehen uns ganz ruhig an, womit Boeing eventuell kommt“, sagt ein Sprecher von Airbus. Im Übrigen sei klar, dass man niemals Reichweite opfern werde, um mehr Passagiere unterzubringen.

Die Spannung wächst, ob Boeing nun tatsächlich mit der 797 vorpreschen wird. Auf der am heutigen Montag beginnenden Paris Air Show in Le Bourget wäre dazu theoretische eine gute Gelegenheit.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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