Digitalisierung in der Luftfahrt Airbus und die ungeahnte Konkurrenz

In der Luftfahrtindustrie entstehen Hunderte neue Firmen. Sie sind schnell, agil und digital. Das hat Airbus sich nun auch verordnet – doch die Vorstellungen für den „digitalen Wandel“ gehen deutlich auseinander.
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Den Prototyp hat das slowakische Unternehmen in zwölf Monaten entwickelt. Quelle: AP
Ein fliegendes Auto von Aeromobil

Den Prototyp hat das slowakische Unternehmen in zwölf Monaten entwickelt.

(Foto: AP)

Le BourgetMajestätisch steht sie da in einer eigenen Museumshalle auf dem Flugplatz in Le Bourget bei Paris: die Concorde. Welcher Ort könnte sich besser eignen, um fast 14 Jahre nach dem letzten kommerziellen Flug der Concorde Luftfahrtinnovationen von morgen zu zeigen – und das Risiko, vom Wandel überholt zu werden.

Erstmals haben die Veranstalter der Paris Air Show in diesem Jahr Jungunternehmen und Innovatoren in eine eigene Halle eingeladen: die „Hall Concorde“. Das „Paris Air Lab“ soll Hinweise liefern, wie Fliegen in Zukunft aussehen könnte. Das slowakische Unternehmen Aeromobil etwa zeigt dort ein Auto, das in drei Minuten in ein Fluggerät verwandelt werden kann.

Die Firma will von der im April vorgestellten neusten Variante des 1,2 Millionen Dollar teuren Flugmobils eine Kleinauflage von 500 Stück fertigen. „Unseren zweiten Prototyp haben zwölf Leute in zehn Monaten entwickelt, wir sind eben viel schneller als große Unternehmen“, freut sich Vorstandschef Juri Vaculik.

Tom Enders, Chef von Airbus, beobachtet das Treiben sehr genau. „Wir müssen uns schneller, viel schneller bewegen, agiler werden, besser auf den Markt reagieren“, forderte Enders Anfang Juni in Toulouse von der eigenen Mannschaft. Der Airbus-Chef spürt den Atem der hungrigen Konkurrenz im Nacken, und damit ist längst nicht mehr nur der Dauerrivale Boeing gemeint: „In fünf Jahren werden 240 neue Luft- und Raumfahrtunternehmen im Markt sein“, stellt Enders nüchtern fest.

Die Beispiele aus Banken, Versicherungen, Transport oder Industrie, in denen Neulinge innerhalb kürzester Zeit die Platzhirsche ausgeweidet haben, schockieren den Airbus-Chef und seine Mannschaft. Doch unter „digitaler Wandel“ stellt sich jeder etwas anderes vor. Denn irgendwie gehört alles dazu: anders arbeiten, sich neu organisieren, die Lieferkette verändern, neue Produkte herstellen.

Airbus hat so reagiert, wie Großkonzerne meist reagieren: Das Unternehmen hat einen neuen Vorstandsposten geschaffen und sich einen „Digital Transformation Officer“ verpasst. Marc Fontaine erläutert, wie er angefangen hat: „Wir haben zunächst die ‚Was wäre, wenn‘-Fragen gestellt: Was wäre, wenn wir die Zeiten fehlender Lufttüchtigkeit auf null reduzieren könnten, wenn die Fluggesellschaften von reaktiver zu vorbeugender Wartung übergehen könnten, wenn wir Qualitätsmängel in der Produktion auf null brächten, unsere Entwicklungszeiten halbierten?“

Der Franzose erwähnt, dass heute nur zwei Prozent der Daten genutzt werden, die beim Flug anfallen. „Künftig können wir aber hundert Prozent nutzen, weil die Speicher- und Verarbeitungsmöglichkeiten für große Datenmengen zur Verfügung stehen.“ Was bringt das? Airbus kann ein über die Jahre gehendes Porträt erstellen, das zeigt, welche Stärken und Macken jedes Flugzeug hat.

Die beliebtesten Business-Flugzeuge Europas
Platz 24 - Global 5000 - 2.534 Starts (2017)
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Maßstäbe setzt die Global-Serie von Bombardier insbesondere in der Reichweite. Zuletzt ging die Zahl der Abflüge jedoch deutlich zurück – um sechs bis sieben Prozent. Die Finanzkrise 2008 hat der Branche mächtig zugesetzt. Manche Anbieter von Business-Flügen haben sich besser erholt als andere.

Quelle: Die Rangliste basiert auf Angaben von WINGX Advance und bezieht sich auf alle Starts von europäischen Airports im Jahr 2017. Das Marktforschungsinstitut hat die Daten der europäischen Luftverkehrskontrolle Eurocontrol für den Zeitraum von Januar bis Mai 2017 ausgewertet.

Platz 23 - Learjet 60 - 2.693 Starts
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Das zweistrahlige Geschäftsreiseflugzeug von Bombardier stieg zuletzt wieder häufiger auf. Seit Jahresbeginn verbuchte dass Modell 11,7 Prozent mehr Abflüge.

Platz 22 - Hawker 400 - 3.136 Starts
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Sogar ein 19-prozentiges Plus gab es für die Maschine des US-amerikanischen Herstellers Hawker Beechcraft. Höchstgeschwindigkeit: über 860 km/h.

Platz 21 - Learjet 35 - 3.152 Starts
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Der Erstflug liegt schon über 40 Jahre zurück. Der Bombardier-Jet verlor zwischen 2015 und 2016 sieben Prozent, in diesem Jahr ging das Minus bisher zurück.

Platz 20 - Learjet 45 - 3.428 Starts
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Zwischen 2015 und 2016 flogen Businessjets um gut zweieinhalb Prozent häufiger ab. Diesen Wert überstieg die Bombardier-Maschine mit einem Plus von 16 Prozent mit Abstand.

Platz 19 - Phenom 100 - 3.577 Starts
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Der leichte Jet des brasilianischen Unternehmens Embraer kann vier bis sechs Passagiere befördern. Und das tat er zuletzt vermehrt. Um satte 50 Prozent stiegen die Abflugzahlen seit Jahresbeginn.

Platz 18 - G300-450 - 3.938 Starts
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Eine solche Gulfstream ist auch bei Promis beliebt. Hier landet US-Schauspieler Brad Pitt auf dem Flughafen von Valletta. Der Rückgang der Abflüge zwischen 2015 und 2016 (neun Prozent) konnte in den vergangenen Monaten zumindest aufgefangen werden.

„Ein Flugzeug, das ständig in Ländern mit hoher Schadstoffbelastung eingesetzt wird, altert anders als eines, das in reiner Luft fliegt“, erläutert Rainer Ohler, Kommunikationschef von Airbus. Aus diesen Porträts wird ein neues Geschäftsfeld werden, mit dem sich Geld verdienen lässt. Allerdings kommt Airbus damit auch in neue Konkurrenz: Siemens-Atos stellt in Le Bourget ein praktisch identisches Vorhaben vor.

Die Unternehmen müssen „im Hinblick auf digitale Geschäftsmodelle weit vorausdenken, um nicht nur einsetzbare Technologien zu identifizieren, sondern auch gänzlich neue Geschäftsfelder rechtzeitig zu erkennen“, empfehlen die Berater von Alix Partners in einer aktuellen Studie.

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