Digitalisierung in der Luftfahrt
Airbus und die ungeahnte Konkurrenz

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Arbeiten an der Vision

Diese Visionen umzusetzen ist die Aufgabe von Paul Eremenko, in der Ukraine geborener amerikanischer Chief Technology Officer, den Airbus von Google abgeworben hat. „Früher waren 30 Jahre nötig, um die Effizienz eines Zivilflugzeugs zu verdoppeln, künftig werden es nur noch 18 Monate sein“, gibt er die Marschrichtung vor. Bei einer Präsentation in Toulouse ließ er – virtuell – elektrische Flugzeuge und Helikopter-Taxis aufsteigen.

Der 38-Jährige, der noch in der Sowjetunion geboren wurde, warnt vor den neuen Herausforderern: „Die Zugangsbarrieren für unsere Märkte sinken, bei Satelliten haben wir das schon erlebt, aber es geschieht auch bei Überschallflugzeugen und bei neuen Materialien.“ Das werde „uns im Nachhinein logisch und naheliegend erscheinen“.

Im Nachhinein – das ist genau die Art von verspäteter Klugheit, die Airbus nicht braucht.

Deshalb versuchen Enders, Eremenko, Fontaine und andere, das Unternehmen „vor die Kurve“ zu bringen, die Veränderungen vorwegzunehmen – nicht leicht in einem Konzern mit selbstbewussten Ingenieuren, die in der Gewissheit leben, die besten Flugzeuge der Welt zu bauen. „Man muss das realistisch sehen, im Moment bedeutet digitaler Wandel auch mehr Arbeit mit weniger Leuten“, sagt ein Airbus-Mann missmutig.

Pierre Bru vom Digital Transformation Team von Dassault Aviation hält in Le Bourget dagegen: „Ich denke nicht, dass Digitalisierung weniger Arbeit bedeutet, ich erwarte eher mehr Unterstützung für die Arbeiter in der Produktion und anspruchsvollere Tätigkeiten.“

Der Übergang jedenfalls wird schwierig, das glauben auch die Berater von Alix Partners. Dezidiert listen sie in ihrer Studie die industriespezifischen Hürden bei der Digitalisierung auf. Dazu würden etwa über Jahrzehnte laufende Flugzeugprogramme zählen, was ganz andere Innovationszyklen als die der Digitaltechnik bedeute.

Doch eine Alternative gibt es nicht. Einige der Aussteller in Le Bourget sind Airbus schon auf die Pelle gerückt. Sie haben ihren Sitz nach Toulouse gelegt, in direkte Nachbarschaft zur Airbus-Zentrale. Wie das Start-up Flightwatch, das in Le Bourget seine IT-Lösungen zeigt, mit der Airlines in der Lage sind, noch besser als bisher vorbeugend etwa die Triebwerke zu warten.

Doch Airbus kontert, hat Jana Rosenmann aus Südafrika geholt. Sie baut den Geschäftsbereich Airbus Aerial auf und gibt ein Beispiel für eine Anwendung: Nach einem Tornado muss eine Versicherungsgesellschaft nicht mehr ihre Vertreter zur Schadensaufnahme in die Region schicken, sie kann bei Airbus Fotos von zwei Satellitentypen und einer Drohne bestellen, „mit einer Auflösung bis auf fünf Zentimeter“, schwärmt die junge Frau. Das senkt die Kosten – und bringt Airbus eine neue Umsatzquelle. So hat die Digitalisierung neben der sperrigen auch eine positive Seite für Airbus.

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Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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