Effizienz
Weniger Beinfreiheit in Le Bourget

Effizienz ist das Verkaufsargument bei der Luftfahrtschau. Doch statt Innovation zeigen die Flugzeugbauer nur Ausbesserungen – zum Nachteil für die Beinfreiheit. Der Trend: Immer mehr Sitze in die alten Modelle zwängen.
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Le BourgetBei der weltweit größten Luftfahrtmesse in Le Bourget war das Fernglas zum Verfolgen der Flugvorführungen seit jeher ein wichtiges Utensil. In diesem Jahr sollten die Besucher ein weiteres nicht vergessen: den Taschenrechner.

Die beiden Branchengrößen Airbus und Boeing werben in Paris mit einer Effizienzoffensive und wollen mit immer sparsameren Flugzeugen um die begehrten Aufträge für ihre neuen Modelljahrgänge buhlen. Ganz große Premieren wie in den vergangenen Jahren die Boeing B787 oder der Airbus A350 wird es in dieses Jahr nicht geben. Einziges wirklich neues Flugzeug ist die C-Series des kanadischen Herstellers Bombardier, ein zweistrahliger Mittel- und Kurzstreckenjet.

Die großen Hersteller lenken den Blick des Fachpublikums auf kleinere Verbesserungen im Detail: Mal werden in der neuen Bordküche ein paar Kilo Gewicht gespart, mal die Flugzeugtoilette um ein paar Zentimeter geschrumpft oder voll im Trend noch mehr Sitze in die Flugzeuge gepresst.

„Die Neuheiten bei Produkten und Modellen sind in der Regel bereits bekannt”, sagte Analyst Howard Rubel von der Jefferies Group in New York. Es gehe dabei vor allem um technische Lösungen, mit denen die Gesellschaften das derzeitige Passagierwachstum besser bewältigen können. Trotzdem erwarten Branchenbeobachter, dass Le Bourget den Wert der Neubestellungen bei der Konkurrenzmesse 2014 im englischen Farnborough kaum schlagen wird. Verträge von über 120 Milliarden Dollar haben Hersteller und Airlines dort im vergangenen Jahr geschlossen.

„Wir können nicht jedes Jahr Neuentwicklungen vorstellen, denn das ist extrem kostspielig, extrem riskant und braucht extrem lange Zeit”, entschuldigte Airbus-Chef Fabrice Bregier die Stagnation bei den Innovationen. Strategisch, sagte er, wolle Airbus diese aber künftig schneller an den Markt bringen. Komplett neue Programme seien nicht zu erwarten, sondern nur „große Weiterentwicklungen“.

Bei der Messe im Heimatland muss Airbus auch um das Vertrauen seiner Kunden für den Militär-Airbus A400M buhlen. Eines der Exemplare war im März auf einem Testflug in Südspanien abgestürzt, wobei es Todesopfer gab. In Paris wird die Maschine eine Flugvorführung absolvieren. Die Hoffnung auf eine Überraschung und den ersten öffentliche Auftritt des A320neo mit den neuen Pratt-&-Whitney-Triebwerken ist hingegen wegen eines unerwarteten technischen Problems in der jüngsten Erprobungsstaffel in Toulouse mittlerweile geplatzt.

Die Fluggesellschaft Qatar Airways stellt einen Querschnitt durch ihre gesamte Flotte aus und bringt fünf Flugzeugmodelle mit nach Paris – von der A350 über den doppelstöckigen Riesenairbus A380 bis zu den kleineren Airbus-Modellen und zwei Boeing-Jets.

Ökonomischeres Fliegen erreichen die Airlines am einfachsten durch eine höhere Auslastung ihrer Maschinen, denn die Branche ermittelt die Kosten pro Passagier. Airbus bietet in Le Bourget eine entsprechende Lösung, mit der in die kleine A320 zweieinhalb mehr Sitzreihen passen. Das Flugzeug kann so ausgerüstet bis zu 195 Passagiere fassen.

Boeing überbietet Konkurrent Airbus noch und schafft im Heck des zweistrahligen Langstreckenjets B777-300ER Platz für 14 zusätzliche Sitze. Kleiner wurden dafür die Bordtoiletten und die Sitzanordnung funktioniert nun nach dem Vorbild der neueren B787, teilte der Flugzeugbauer mit.

Als großer Fan von Zusatzsitzen outete sich im Vorfeld des Luftfahrtsalons Ryanair-Chef Michael O'Leary, der seine 200 bestellten Boeing 737 MAX 8 jeweils mit acht zusätzlichen Plätzen ausrüsten lässt. Diese Zusatzkapazitäten würden über den Lebenszyklus der Flugzeuge nahezu deren Kosten einspielen. „Das bedeutet einen entscheidenden Schritt bei den Kosten nach unten und beim Umsatz nach oben“, sagte O'Leary zum Messeauftakt in Le Bourget.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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