Fraport-Streit
Lufthansa macht den Abflug nach München

Die Lufthansa zieht Konsequenzen aus dem Gebührenstreit mit dem Flughafenbetreiber Fraport. Ein Teil der A380-Flotte wird von Frankfurt nach München verlagert. Stecken zu hohe Kosten oder verletzte Eitelkeit dahinter?
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FrankfurtVor genau einer Woche klang Stefan Schulte noch optimistisch. „Es sind gute Gespräche, und da werden wir sukzessive mit der einen oder anderen Antwort kommen“, kommentierte der Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport bei einer Abendveranstaltung des Unternehmens den Dauerstreit mit seinem Hauptkunden Lufthansa.

Acht Tage später sieht die Welt komplett anders aus. Lufthansa wird fünf der 14 Großraum-Flugzeuge vom Typ A380 ab Sommer kommenden Jahres von Frankfurt nach München verlagern. Das gab das Unternehmen völlig überraschend am Dienstag bekannt. Die Flugzeuge sollen in München neue Strecken nach Chicago und Singapur bedienen sowie auf bestehenden Verbindungen nach Hongkong, Peking und Los Angeles eingesetzt werden.

Offiziell wird die Verlagerung unter dem Deckmantel der Flexibilisierung verkauft. „In den vergangenen Jahren haben wir große Fortschritte in der Steuerung unserer Drehkreuze gemacht. Wir haben Prozesse harmonisiert und integriert“, wird Harry Hohmeister, Mitglied des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG und verantwortlich für das Ressort Hub Management, in einer Erklärung des Unternehmens zitiert: „Das bedeutet, dass wir jetzt auch unsere Flugzeuge viel flexibler an unseren Standorten einsetzen können. Qualität, Effizienz und Wachstumsmöglichkeiten sind dabei für uns maßgeblich.“

In Lufthansa-Kreisen wird die Verlagerung aber vor allem mit den Kosten begründet. Die seien in München mittlerweile deutlich niedriger als in Frankfurt. Gerade bei einer so großen Maschine wie der A380 spiele das eine wichtige Rolle, heißt es.

Seit Monaten schwelt der Streit zwischen Fraport und Lufthansa. Hintergrund sind zum Teil deutliche Gebührenrabatte, die Fraport Billiganbietern anbietet, um das am größten deutschen Drehkreuz noch recht unterentwickelte Billigflug-Segment auszubauen. Als Folge stationiert Ryanair im kommenden Winterflugplan sieben Flugzeuge am größten deutschen Drehkreuz. Ryanair-Chef Michael O’Leary kann sich sogar bis zu 20 Flugzeuge in Frankfurt vorstellen.

Mit dem Abzug der doppelstöckigen Superjumbos setzt Lufthansa ein überraschend deutliches Signal. Eigentlich ist Frankfurt der Heimatflughafen der nach Umsatz größten europäischen Fluggesellschaft. Doch zurzeit schlägt das Herz der „Hansa“ offensichtlich vor allem für München. „Lufthansa setze ein klares Zeichen für weiteres Wachstum in Bayern. In den nächsten zwei Jahren werde darüber hinaus die Lufthansa-Langstreckenflotte am Standort München um zwei weitere Flugzeuge wachsen, erklärt das Unternehmen. Alleine die Verlagerung der fünf Super-Jumbos soll in der bayrischen Landeshauptstadt 500 neue Jobs schaffen.

Immer wieder hatte es in der Vergangenheit kurzzeitig danach ausgesehen, als könnten sich beide Seiten doch wieder annähern. So ist Schulte davon überzeugt, dass sowohl Fraport als auch Lufthansa unter dem Strich das gleiche Ziel verfolgen: den Frankfurter Flughafen zu stärken und die Auslastung von Flugzeugen und Terminals zu steigern.

Doch seitens der Lufthansa wurde in dem Streit regelmäßig nachgelegt. So hatte Konzern-Chef Carsten Spohr vor gut zweieinhalb Wochen gegenüber der „Börsen-Zeitung“ seine Kritik an Fraport erneuert: „Wir reden zwar viel miteinander, aber anscheinend nicht über die richtigen Themen“, erklärte Spohr. Und weiter: „Das beunruhigt mich, denn es gefährdet unser gemeinsames Geschäftsmodell.“

Branchenkenner berichten, dass die Auseinandersetzung mittlerweile auf einer sehr emotionalen Ebene geführt würde. „Zurzeit ist es schwer vorstellbar, wie dieser Streit ohne externe Unterstützung geschlichtet werden kann“, sagt ein Luftfahrt-Manager.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Fraport-Streit: Lufthansa macht den Abflug nach München"

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  • Die Lösung ist einfach: Die Flieger werden ab sofort zum BER weitergeleitet. Wird schon irgendwie gehen.
    Wer würde es denn auch wagen, sich einer Forderung des "Hessischen Trinkerverbandes" zu widersetzen?

  • Der "Hessische Trinkerverband" ,dem ich seit Jahrzehnten angehöre, verlangt ruhige
    Stätten zum Zwecke der Saufgelage. Einfach ausgedrückt, die Flieger kommen weg
    oder wir saufen im Terminal 1

  • Mein lieber Herr Eugen Schmidt, es freut mich zu sehen dass es doch immer wieder Menschen gibt die absolut null Ahnung haben. A.) bringt der Flughafenausbau der Region immer wieder neue Arbeitsplätze, B.) verstehe ich sie so, dass wir besser zurück in die Steinzeit gehen weil mal ein paar Flieger bis nachts um 23.00 Uhr über Häuser fliegen in denen sie sicherlich noch nicht mal wohnen.
    C.) Langstreckenmaschinenen der LH fliegen, wie im übrigen alle anderen Langstrecken auch, NUR EINMAL pro Tag ab, bzw. landen.
    Viele Spaß deshalb mit Ryanair und Konsorten, die fliegen Kurzstrecke und ich erkläre es sicherheitshalber mal: Kurzstreckenflieger landen und heben mehrmals pro Tag ab, und vorallen über die dicht besiedelten Städte!

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