Hauptversammlung in London
„Wir haben das Herz der Air Berlin immer in uns“

Mitten in der schwersten Krise hält Air Berlin seine skurrile Hauptversammlung ab. Konzernchef Thomas Winkelmann versprüht Optimismus, der Finanzchef verspricht schwarze Zahlen – und die Aktionäre vertrauen ihnen.
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LondonNach 42 Minuten ist alles vorbei. Ganz so, als gäbe es sie nicht, diese riesige Krise, in der Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft steckt. „Air Berlin ist zurück“, freuen sich stattdessen nach der Hauptversammlung am Mittwoch die Aktionäre. Schließlich hat Unternehmenschef Thomas Winkelmann gerade verkündet, dass die Flieger wieder zuverlässig und pünktlich sind. Nicht einmal das war in den vergangenen Monaten selbstverständlich. Die grottenschlechte Finanzsituation? Ist für die treuen Mit-Eigentümer nicht entscheidend. „Der Winkelmann macht das schon“, sagen sie.

„Der Winkelmann“ ist ein ehemaliger Lufthanseat und steht erst seit gut vier Monaten an der Spitze der seit Jahren kriselnden Airline. Eine Aufgabe, die wohl nicht viele übernommen hätten – angesichts von rund 782 Millionen Euro Verlust im vergangenem Jahr und einem Schuldenberg von knapp 1,2 Milliarden Euro. Seit 2008 schreibt Air Berlin – mit einer Ausnahme durch den Verkauf des Vielfliegerprogramms – beständig rote Zahlen.

Der 57-Jährige aus dem Ruhrgebiet jedoch versprüht stoischen Optimismus. 2017 sei ein Jahr des Übergangs, doch für 2018 peile das Unternehmen auf operativer Ebene (Ebit) schwarze Zahlen an, sekundiert ihm Finanzchef Dimitri Courtelis. Und das obwohl ein wesentlicher Teil des Sanierungsplans gerade weggebrochen ist. In der vergangenen Woche platzte der Plan eines neuen Ferienfliegers gemeinsam mit Tui. Winkelmann verliert dazu nicht viele Worte, erzählt stattdessen vom Fokus auf Langstrecken und Städtetrips. Für die Ferienflieger-Tochter Niki werde sich schon eine neue Partnerschaft finden.

Dass Air Berlin bei den Landesregierungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen schon mal für eine Bürgschaft vorfühlt, sieht er lediglich als Zeichen vorausschauender Unternehmensführung. „Wir loten alle Möglichkeiten aus – für alle Fälle“, sagt der Chef. Berichten zufolge soll es bei der Bürgschaft um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gehen. „Wir wollen keine Steuergelder, wir wollen auch nicht verstaatlicht werden“, betont Winkelmann.

Das scheint er noch so überzeugt sagen zu können, weil Air Berlin einen großen Partner im Rücken hat. Der arabische Großaktionär Etihad, der 29,2 Prozent der Anteile besitzt, hält das Unternehmen seit Jahren mit Finanzspritzen in der Luft. An der Zahlungsfähigkeit bestehe deshalb kein Zweifel, sagte Winkelmann. Schließlich kam erst im April vom Golf das Versprechen, für mindestens 18 weitere Monate zu zahlen.

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