Unbemannte Flugobjekte
Die unregulierte Drohne

Unternehmen entdecken die Vorzüge des Drohnen-Einsatzes und so entwickelt sich ein neuer Wachstumsmarkt. Doch noch fehlt den EU-Staaten ein einheitliches Regelwerk – zum Nachteil der Branche.
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BrüsselWer heute auf Konzerte oder Demonstrationen geht, sieht über seinen Köpfen öfters kleine Fluggeräte mit Mini-Propellern hin und her surren. Diese Drohnen liefern via montierter Videokamera Aufnahmen aus luftigen Perspektiven, während die Steuermänner sie vom Boden aus lenken. Vor allem ihr militärischer Einsatz machte die unbemannten Flugobjekte bekannt, doch auch im zivilen Bereich mehren sich die Einsatzmöglichkeiten.

Der Energiekonzern RWE nutzt in seinem Kraftwerk Niederaußem seit 2010 eine Drohne, um Bereiche zu begutachten, die seine Ingenieure ansonsten nur mit großem Aufwand einsehen können: Kühltürme und Kamine zum Beispiel. Die Idee dafür hatten zwei Mitarbeiter am Kraftwerk, Ulrich Kurten und Heinz-Josef Mautsch.

Sie erhielten dafür einen unternehmensinternen Innovationspreis. „Anhand der Aufnahmen, die die Flugdrohnen liefern, erkennen wir selbst kleinste Schäden, beispielsweise geborstene Schrauben“, sagt Mautsch. Dank Drohnen-Einsatz würden Reparaturen effizienter und kostengünstiger.

Das Unternehmen will die Fluggeräte zukünftig auch bei anderen Kraftwerken, im Tagebau und bei Hochspannungsleitungen einsetzen. Konkurrent Eon hat nach eigenen Angaben ebenfalls den Einsatz von Drohnen getestet und befindet sich nun in der Einführungsphase. Auch andernorts wird viel mit den kleinen Fluggeräten experimentiert: Der Logistikkonzern DHL und Internet-Händler Amazon testen Drohnen als Transportmittel, Google will mit Hilfe der neuen Technologie auch die entlegensten Gegenden der Welt mit dem Internet verbinden.

Das Wachstumspotenzial in der Drohnenentwicklung ist Branchenangaben zufolge enorm: Die globalen Ausgaben inklusive militärischen Regierungsaufträgen werden demnach von heute 5,2 Milliarden Dollar auf rund 11,6 Milliarden Dollar im Jahr 2023 steigen. Die EU-Staaten wollen daher den europäischen Markt für „pilotenferngesteuerte Luftfahrtsysteme“, sogenannte RPAS (Remotely Piloted Aircraft Systems), öffnen. Die umständliche Bezeichnung verweist auf ein wichtiges Detail: Nicht-pilotenferngesteuerte Luftfahrtsysteme, also automatisierte Drohnen, sind außen vor gelassen.

Im Dezember 2013 beauftragten die Staats- und Regierungschefs die EU-Kommission damit, „Maßnahmen zu ergreifen, um eine schrittweise Integration von RPAS in den zivil genutzten Luftraum ab 2016 zu ermöglichen“, und im März 2015 wurde unter der lettischen EU-Ratspräsidentschaft die bis dahin ausgearbeitete Strategie der Kommission übernommen. Der zufolge sollen vor allem einheitliche Regeln für den künftigen europäischen Drohnen-Luftraum geschaffen werden.

Bislang ist die europäische Luftfahrtbehörde EASA (European Aviation Safety Agency) nur für Flugobjekte zuständig, die mehr als 150 Kilogramm wiegen – alles, was darunter liegt, wird national reguliert. Diese Grenze sei „willkürlich und sollte überprüft werden“, so die Kommission. „Das Wachstumspotenzial kann sich nur dann entfalten, wenn ein entsprechender Rechtsrahmen auf europäischer Ebene geschaffen wird.“

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