Abfallwirtschaft
Energie aus der Müllhalde

Rund 2,5 Milliarden Tonnen Altmüll sind in Deutschlands Böden vergraben. Nun sollen Deponien aus den vergangenen Jahrzehnten zu Stromlieferanten werden – indem der ungewöhnliche Rohstoff in Brennöfen verwertet wird.
  • 1

MindenDetlev Frese gibt auf. Viel zu oft musste der routinierte Techniker den Tusch hören, der eine Störung in der Müllverbrennungsanlage signalisiert. Der Unrat vergangener Jahrzehnte blieb erst als solider Placken im Herz der Brennkammer liegen und zündete nach kurzer Verweildauer durch - die Thermostate schlugen wild aus. Unmöglich, das Mindener Kraftwerk so gleichmäßig zu fahren wie immer. Unmöglich auch, damit das nahe gelegene BASF-Chemiewerk mit Prozessdampf, Wärme und Energie zu versorgen. Der Versuch ist gescheitert - vorerst.

Dabei geht es um eine ganze Menge: einen ungewöhnlichen heimischen Rohstoff. In Deutschland sind 2,5 Milliarden Tonnen alter Müll vergraben. Und zwar solcher, der vor Beginn der privaten Trennung in den 1990er-Jahren fast alles enthielt, was weggeworfen wurde - unter anderem Kunststoffe, Papier und Textilien. Der Wissenschaftler Klaus Fricke von der TU Braunschweig schätzt, dass ein theoretischer Wert von bis zu 55 Milliarden Euro bundesweit im Boden liegt - berechnet nach dem Wert in Erdöl.

Die Verwertung in Brennöfen könnte daneben gleich zwei Probleme lösen. Ein ökologisches: Der alte Müll kommt aus dem Boden. Und ein ökonomisches: Deutschland hat zu viele Müllverbrennungsanlagen gebaut.

Ein großes Hindernis: Bislang ist die Verwertung des Altmülls nicht wirtschaftlich. Die Kosten seien höher als der Erlös, sagt Fricke. Vergangenen Sommer startete daher ein einzigartiges Großprojekt von Forschung, Wirtschaft und Kommunen. Dazu wurde nahe Minden die "Pohlsche Heide" angegraben, eine Deponie mit rund drei Millionen Tonnen Müll. Forscher verschiedener Universitäten nahmen Proben.

An der RWTH Aachen untersuchen Peter Quicker und Martin Rotheut von der Forschungsgruppe Technologie der Energierohstoffe, wie hoch der Heizwert des abgegrabenen Mülls - des Deponats - überhaupt ist und ob dieser Schadstoffe enthält, die eine Nutzung im Kraftwerk verbieten könnten. Schließlich wurde damals fast alles über den Hausmüll entsorgt - Haushaltschemikalien und Batterien inklusive.

Seite 1:

Energie aus der Müllhalde

Seite 2:

Feucht, verklebt und viel Asche

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%