Atomstrom
Frankreich plant den Teilausstieg

Auch Frankreich sucht nach Alternativen: Weil der Anteil des Atomstroms sinkt, sucht die Industrie im Nachbarland verstärkt nach neuen Märkten. Diese Woche wurde ein Gesetz zur Energiewende verabschiedet.
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ParisFrankreichs Nationalversammlung hat am Dienstag das Gesetz zur Energiewende verabschiedet, das den Anteil des Atomstroms an der Elektrizitätserzeugung bis 2025 von 75 auf 50 Prozent senkt. Angesichts dieser Verringerung sucht die Branche mit 125.000 Mitarbeitern nun umso dringender nach neuen Abnehmern im Ausland. Zeitgleich mit dem Parlamentsbeschluss organisierte sie die erste nationale Atommesse in Le Bourget bei Paris. Mit Exporten im Wert von acht Milliarden Euro ist Frankreich schon heute weltweit der wichtigste Lieferant von Atomtechnologie. Die Produktspanne reicht von Spezialstählen über Entsorgungstechnik bis zu kompletten Atommeilern.

Frankreichs Energiewende lässt noch offen, wie der partielle Atomausstieg genau organisiert werden soll. Das Gesetz schafft erst einmal den groben Rahmen: 2050 soll der Energieverbrauch nur noch die Hälfte des Werts von 2012 betragen, 2030 sollen 30 Prozent weniger fossile Energieträger eingesetzt werden als 2012. Erneuerbare sollen in sechs Jahren 23 Prozent zur Versorgung beisteuern und 2030 dann 32 Prozent. Das Absenken des Atomanteils an der Stromerzeugung auf 50 Prozent ist vor dem Hintergrund dieser Energiesparziele zu sehen: So wird deutlich, dass es nicht um einen relativen, sondern um einen absoluten Rückbau des französischen Atomparks geht.

Dabei ist offen, welche Kraftwerke davon betroffen sein werden. Das älteste AKW Fessenheim sollte als erstes abgeschaltet werden, hatte Staatspräsident François Hollande versprochen. Der staatliche Energieriese EDF als Betreiber hofft nun aber, den an der deutschen Grenze liegenden Meiler am Netz halten zu können. Er argumentiert mit einem hohen bereits geleisteten Aufwand zur Modernisierung.



Diese Ausgaben werden in den kommenden Jahren noch gewaltig steigen. 55 Milliarden Euro muss EDF in den nächsten Jahren für die Modernisierung seiner 58 AKW ausgeben, die deutlich länger genutzt werden als die ursprünglich geplanten 30 Jahre. Wegen dieser Ertüchtigung alter AKW hoffen nun auch deutsche Anbieter, die vom Atomausstieg betroffen sind, in Frankreich Fuß zu fassen. Unternehmen wie Bilfinger und KSB wollen mit Hochleistungsrohren, Pumpen und Ventilen dabei sein und hoffen, EDF später auch auf Drittlandsmärkte begleiten zu können. „Einfach wird das nicht, weil auch die französische Branche unsicher in die Zukunft schaut, aber wir haben bereits ein Rahmenabkommen“, sagt ein Bilfinger-Vertreter.

EDF-Chef Henri Proglio hat die Marschrichtung Richtung Expansion im Ausland vorgegeben. In China sind EDF und der Kraftwerksbauer Areva stark präsent, in Großbritannien kann EDF Reaktoren im Wert von 19 Milliarden Euro bauen. Nun würde Proglio „gern mit Saudi Arabien zusammen an der Vision eines starken Nuklearsektors arbeiten“, wie er Dienstag sagte. Außerdem hat er Polen und Südafrika im Visier. Proglio ist geschäftlich erfolgreich und würde den Konzern gerne fünf weitere Jahre führen. Die Regierung lässt ihn aber noch im Unklaren. Das gilt auch für Areva-Chef Luc Oursel. Dessen Unternehmen allerdings kommt nicht aus den Verlusten heraus.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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