Billige Energiewende
Kanzlerin Merkels Strompreis-Irrtum

So viel wie ein Milchkaffee würde die Energiewende den Bürger im Monat kosten, hatte die Regierung 2011 suggeriert. Das ist gründlich daneben gegangen. Aber so stark müssten die Strompreise gar nicht steigen.
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BerlinDer eine Satz verfolgt Angela Merkel unerbittlich. „Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen; heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde.“ Das sagte die Kanzlerin im Juni 2011 im Bundestag. Inzwischen ist die im Strompreis enthaltene und im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankerte Umlage auf 5,3 Cent gestiegen. 2014 werden es 6 bis 6,5 Cent sein. Fast schon das Doppelte dessen, was Merkel wollte.

Selten legt sich die Bundeskanzlerin genau fest, aber hier hat sie den Anschein erweckt, mehr als die 3,5 Cent sollten es nicht werden. Doch statt 122 Euro sind es inzwischen 185 Euro, die ein Haushalt bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nur für die Ökostrom-Umlage im Jahr berappen muss.

Im Schnitt zahlt so ein Haushalt nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft 83,80 Euro im Monat für Strom, 2011 waren es mit 73,59 Euro zehn Euro weniger. Auf das Jahr hochgerechnet kommt für viele die 1000-Euro-Marke in Sicht - vielerorts wird sie sogar bereits überschritten. Besonders für den Mittelstand werden diese Strompreise zu einer immer größeren Bürde.

Warum ist die angeblich so billige Energiewende zu einem Mythos geworden? Punkt 1: Der starke Solarzubau. Allein 2010 bis 2012 wurden über 22 000 Megawatt an neuer Leistung installiert, trotz mehrerer Förderkürzungen treibt das die Umlage. Punkt 2: Immer mehr Rabatte für energieintensive Unternehmen bei Umlage und Netzentgelten, die die Verbraucher mitzahlen. Punkt 3: Eine gewisse Flickschusterei. So wurde eine neue Umlage eingeführt, um Schadenersatz für Netzprobleme bei See-Windparks auf die Strompreise abzuwälzen. Auch zwangsweise am Netz gehaltene Kraftwerke schlagen zu Buche. Der Staatsanteil beim Strompreis liegt inzwischen bei über 50 Prozent. Punkt 4: Ein nicht mehr funktionierender Strommarkt, der Preissteigerungen begünstigt.

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