Brandbrief
Energiekonzerne warnen vor Kostenwelle

Große Energiekonzerne halten Europas Energiepolitik für gescheitert. Sie fordern deshalb weniger Subventionen für Anlagen mit erneuerbaren Energien. Gleichzeitig soll die umstrittene Fracking-Technik erlaubt werden.
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ParisIn einem dramatischen Appell an die europäische Politik warnen neun große Versorger vor einer drohenden Energiekrise: „Die Versorgung ist nicht mehr gesichert, die CO2-Emissionen steigen, die Investitionen im Energiesektor sinken drastisch, und die Kosten steigen stark an.“ Die Unterzeichner des Appells sprechen klar von einem „Scheitern der Energiepolitik“ in Europa. Lanciert haben den Aufruf die Konzerne Eon und RWE aus Deutschland, Enel und Eni aus Italien, GasTerra aus den Niederlanden, Gas Natural aus Spanien, Vattenfall aus Schweden und GDF Suez aus Frankreich. Dessen Chef Gérard Mestrallet tritt zusammen mit Paolo Scaroni von Eni als Wortführer auf.

Die Konzerne verlangen einen Rahmen für die Energiepolitik, der eine Preisbildung möglichst nahe an den Marktbedingungen ermögliche und „Energie nicht als Finanzierungsquelle für andere Politiken ansieht“. Dafür müsse der Wettbewerb gestärkt und das Funktionieren des europäischen Markts verbessert werden. Die Subventionen für neue Anlagen mit erneuerbaren Energien sollten gesenkt werden, „um dem Bedarf der Strommärkte gerecht zu werden“. Gleichzeitig fordern die Unternehmen aber eine höhere Forschungsförderung für Erneuerbare, die noch weiter von der Marktreife entfernt sind.

Besonders strittig dürfte die Forderung sein, die Versorgung mit Gas durch Nutzung lokaler Quellen „auch nicht-konventioneller Art“ zu verbessern. Dahinter steckt die Idee, die Förderung von Schiefergas mit Hilfe der Fracking-Technik, also des Aufspaltens tiefer Gesteinsschichten mittels Wasser und Chemikalien, zu erlauben. In vielen EU-Ländern, so auch in Frankreich, ist das verboten oder hochumstritten.

Ein überraschend Abwesender ist der französische Energie-Gigant EDF. Das Unternehmen wollte das offiziell nicht begründen. Doch ist deutlich, dass der Aufruf stark von Unternehmen mit einem Schwerpunkt bei Erdgas wie etwa GDF geprägt ist. EDF dagegen legt Wert „auf einen ausgeglichenen Energiemix“. Das Gros seiner Stromproduktion leisten Atomkraftwerke, doch investiert der Konzern viel in Erneuerbare und hat auch viele ältere Wasserkraftwerke.

Die stark auf Gas angewiesenen Unternehmen wie GDF stört einerseits die hohe staatliche Förderung der Erneuerbaren, andererseits der Zusammenbruch des EU-Markts für CO2-Emissionszertifikate. Das hat dazu geführt, dass stark verschmutzende Kohlekraftwerke billiger arbeiten als Gaskraftwerke und diese verdrängen. GDF musste bereits zwei Gaskraftwerke in Frankreich stilllegen. Mestrallet spricht gar von der „Gefahr eines Blackouts“ im nächsten Winter.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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