Chancen für Überzeugungstäter
Gründerboom bei grünen Start-ups

Deutschland erlebt einen Boom bei Start-ups rund um die Bereiche Energieeffizienz und Erneuerbare. Im Land der Energiewende produzieren Start-ups Öl aus alten Reifen, Strom aus Algen und Gas aus Holzabfällen.
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Zwischen Scheitern und Erfolg lagen nur wenige Wochen. Ende 2011 präsentierte das Berliner Start-up Changers einen solarbetriebenen Akku für Smartphones undTablets, der auch die eingesparte Menge Kohlendioxid misst. Dafür gibt es „Changers Credits“. Wer fleißig sammelt, kann diese einlösen gegen grüne Produkte oder Dienstleistungen wie umweltfreundlich verschickte Pakete. Die Euphorie währte nicht lang. „Kurz nach dem Start der Auslieferung mussten wir auf die Bremse treten“, sagt Gründer Markus Schulz. Der Hauptinvestor Centrotherm, ein Solarunternehmen, kämpfte ums Überleben, der Geldfluss versiegte. Changers ging in die vorläufige Insolvenz. Schulz und seine Mitgründerin Daniela Schiffer gaben nicht auf und erwarben die Rechte am Produkt. Der zweite Versuch brachte den Erfolg. „Man braucht einen langen Atem und eine gute Portion Selbstvertrauen“, sagt Schulz. Gründen ohne Kompromisse.

Start-ups mit ökologisch korrekten Produkten wie Changers liegen im Trend. Laut Schätzungen des Borderstep Instituts und der Universität Oldenburg dürfen sich fast 14 Prozent aller neuen Unternehmen
in Deutschland als „grün“ bezeichnen. „Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend geht die Zahl der Gründungen im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien seit 2008 nach oben“, sagt Ralf Weiß, der beim Borderstep-Institut für den Green Economy Gründungsmonitor verantwortlich ist.

Nach Ansicht von Changers- Gründer Schulz ist eine wichtige Ursache für den Boom bei grünen Start-ups die große Überzeugung. „Wir wussten, dass wir ein Produkt hatten, das auch einen gesellschaftlichen Einfluss haben kann.“ Das sieht auch Ralf Weiß so: „Die persönliche Überzeugung kann dazu führen, dass man an Punkten weitermacht, wo andere schon aufhören würden“, sagt der Gründungsexperte. Besonders im sogenannten Tal des Todes – der Phase zwischen Gründung und Profitabilität – hilft der Glaube an eigene Produkte, um durchzuhalten. Gefährlich wird dies laut Weiß jedoch, wenn nicht erkannt wird, dass eine Idee endgültig gescheitert ist.

Als eine Stärke der deutschen Öko-Gründer gilt die hohe Innovationskraft. Im Land der Energiewende produzieren Start-ups Öl aus alten Reifen, Strom aus Algen und Gas aus Holzabfällen. Laut Deutschem Patent- und Markenamt lag die Zahl der neu angemeldeten Patente allein bei den erneuerbaren Energien 2011 mehr als doppelt so hoch wie 2008. Aber Patent ist nicht gleich Produkt. „Es ist wichtig, dass sich die Innovationen auch in Unternehmen niederschlagen“, sagt Ralf Weiß. Sonst verpufft der Forschungsvorsprung ungenutzt.

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Gründerboom bei grünen Start-ups

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Ein paar Erfolge in der Hinterhand

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