Desertec
In der Wüste

Strom aus der Wüste Nordafrikas? Die ehrgeizigen Pläne sind in der Realität angekommen. Deutschland produziert mit heimischer Windkraft und Solartechnik bereits ausreichend Strom aus erneuerbaren Energiequellen.
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Anfangs war die Euphorie groß. Alle wollten dabei sein: große Banken, große Versicherer und die großen Energiekonzerne. Sie alle wollten sich schmücken mit dem schönen, verheißungsvollen Öko-Thema, in den Wüsten Nordafrikas Strom für Europa zu produzieren.

Das Vorhaben hat alles, wovon große Unternehmensführer träumen: eine glänzende Vision von einer besseren Welt, den Trend zur Globalisierung und die Hoffnung auf hohe Investitionen in neue Märkte.

Doch immer mehr Unternehmen merken inzwischen, dass die Euphorie für die Desertec-Industrie-Initiative DII wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. Dabei hätten sie das schon früher ahnen können. Denn bereits bei der Gründung der DII vor vier Jahren war absehbar, dass Deutschland keinen Wüstenstrom brauchen wird, um auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Schon Ende 2009 drehten sich in Deutschland Hunderte Windmühlen. Immer mehr Eigenheimbesitzer schraubten - angetrieben von einer üppigen Förderung für erneuerbare Energien - Solarmodule aufs Dach. Der Trend führte zu einem Boom in Deutschland: Die erneuerbaren Energien produzieren immer mehr Strom.

Früh war absehbar, dass sich eine zentrale Grundidee der DII in Luft auflöste: einen Teil des Wüstenstroms nach Europa zu transportieren. Denn der wird hier schlicht und ergreifend nicht benötigt.

Außerdem war die Zusammensetzung der Organisation von vornherein problematisch. Es wurde versucht, so unterschiedliche Unternehmen wie Deutsche Bank, Eon und ABB sowie noch den Ideengeber, die Desertec-Stiftung, unter einen Hut zu bringen. Die Mischung aus Visionären und Pragmatikern konnte nicht lange gut gehen.

Übrig bleibt jetzt eine kleine Firma mit nicht einmal 30 Mitarbeitern. Sie muss sich neu erfinden - oder auflösen. Sie muss nach den Abgängen von Eon und Bilfinger ihre verbliebenen Gesellschafter überzeugen, an Bord zu bleiben, und neue hinzugewinnen.

Das wird schwierig für DII-Chef Paul van Son. Denn er will sich fortan darauf konzentrieren, vor allem die Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens bei Wind- und Solarprojekten zu beraten. Was am Ende bleiben wird, ist eine Spezial-Unternehmensberatung für nur wenige.

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