Digitale Revolution
Weckruf für die Industrie

Wir müssen bei der digitalen Revolution in den Leitbranchen schneller werden. Die Industrie hat damit eine einmalige Chance, doch ohne die richtige Strategie gehen Wachstum und Marktanteile verloren.
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Deutschland ist nach wie vor in vielen Branchen führend bei dem Engineering von komplexen Maschinen, Produkten und Prozessen. Dazu gehören die Autos, Medizingeräte, Aufzüge, Roboter, die Haustechnik oder die intelligenten Stromnetze. Seit Jahren nimmt der Softwareanteil in diesen Produkten stetig zu und macht bei einigen schon über ein Drittel der Gesamtkosten aus. Der Siegeszug der Smartphones, verbunden mit digital abrufbaren Serviceangeboten, hat gezeigt, wie bahnbrechend die Digitalisierung für viele traditionelle Unternehmen sein kann: Die Musik- oder die Handelsbranche wurde massiv auf den Kopf gestellt. Ohne digitale Strategie gehen Wachstum und Marktanteile verloren.

Nun sind die nächsten Branchen an der Reihe: Sobald unsere intelligenten Produkte die Fabrik verlassen, verbinden sie sich mit dem Internet und sind dann für viele digital erreichbar. Wie gewaltig und vor allem wie schnell diese digitale Revolution für die Geschäftsmodelle der etablierten Hersteller sein kann, wird noch oft unterschätzt. Letztlich geht es etwa für einen Patienten nicht um das beste Röntgengerät, sondern um die beste Auswertung des Röntgenbildes. Eine Diagnose auf Basis von Millionen digital gesammelter Referenzbilder kann für den Radiologen eine entscheidende Unterstützung sein. Nun kann der Medizingerätehersteller einen solchen Service künftig als Zusatzleistung zu seinem Produkt anbieten. Oder aber ein dritter Anbieter erbringt diesen Service.

Wir haben derzeit als deutsche Industrie eine einmalige Chance, unsere Leitbranchen in die digitale Zukunft zu führen. Es geht künftig um „As a Service“-Angebote, in denen Produkte und Services branchenübergreifend neu gebündelt und maßgeschneidert bereitgestellt werden - weltweit! Dienstleistungen, die physische und digitale Komponenten miteinander kombinieren, werden über Markterfolg und Wachstum vieler deutscher Hersteller entscheiden. Die intelligent verarbeiteten Betriebsdaten der Produkte sind der Treibstoff für solche Angebote. Allerdings müssen wir uns beeilen. Das weltweite Wettrennen um die Datenhoheit im Internet der Dinge ist voll entbrannt. Wir dürfen hier nicht den Markt anderen überlassen. Es braucht hiesige Leit-Unternehmer und -Unternehmen, die die digitalen Geschäftsmodelle um ihre Produkte aufbauen und weltweit exportieren. Aber auch die Politik ist gefordert, diesen Prozess zu flankieren: Wirtschaft und Wissenschaft können gemeinsame nationale Software-Cluster schaffen, um branchenübergreifend digitale Plattformen für unsere ans Internet angebundenen Produkte zu entwickeln. Auch der Datenschutz braucht eine einheitliche europäische Regulierung, nationale Alleingänge sind hier wenig hilfreich - schließlich wollen unsere Hersteller ihre Produkte in allen Ländern einheitlich digital begleiten.

Die Schaffung eines digitalen Binnenmarkts in Europa, eine verbesserte europäische Datenschutzverordnung und größere Forschungsanstrengungen in Sachen Softwarearchitekturen und Datenanalytik sind entscheidende Bausteine für die Führungsrolle beim industriellen Internet aus Deutschland. Der bevorstehende nationale IT-Gipfel kann dazu einen entscheidenden Weckruf aussenden.

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