E-Mobilität
China elektrisiert

Peking setzt auf Elektromobilität und das bringt auch für deutsche Unternehmen großes Absatzpotential – trotz der Hürden für ausländische Unternehmen in China. Die China-Reise von Kanzlerin kommt zum rechten Zeitpunkt; Merkel kann ein Zeichen setzen.
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PekingKommt die Elektromobilität in China, oder kommt sie nicht? Eines ist sicher: Die Entwicklung des Markts hat zuletzt rasant Fahrt aufgenommen. Peking erhöht den Druck und lässt keinen Zweifel mehr daran, dass Elektromobilität die Zukunft der Autoindustrie in China sein soll. Auch für deutsche Unternehmen bringt das ein großes Absatzpotenzial mit sich. Doch genau das steht gegenwärtig auf dem Spiel.

Die Marschrichtung gab Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kürzlich in Schanghai höchstpersönlich vor. Die Elektromobilität soll China zu einem „starken Land des Autos“ machen. Umwelt- und Energieaspekte spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Bei der Förderung von E-Fahrzeugen geht es fast ausschließlich um industriepolitische Ziele. Mit der Elektromobilität sieht die chinesische Führung die Gelegenheit gekommen, die Marktdominanz ausländischer Hersteller zu durchbrechen und technologisch aufzuholen.

Zu den Konsequenzen zählt, dass ausländische Unternehmen es immer schwerer haben, weil sie anders behandelt werden als ihre chinesischen Mitbewerber. Die Palette reicht vom Ausschluss importierter E-Autos von staatlicher Förderung über hohe Importzölle bis hin zu Alleingängen bei Ladestandards. Und auch für die Elektromobilität gilt: Wer in China produzieren will, muss sich mit einem chinesischen Partner in einem Joint Venture arrangieren.

Die gute Nachricht lautet, dass sich Chinas Elektromobilität in einer Experimentier-Phase befindet. Insgesamt 38 Pilotstädte und -provinzen testen gegenwärtig mögliche Fördermechanismen, die einmal nationale Politik werden könnten. Damit einher gehen intensive Diskussionen über die beste staatliche Förderung und eine regelmäßige Anpassung der politischen Maßnahmen.

Auch dem Ausland bietet diese Phase ein Zeitfenster zur Einflussnahme. Deutschland ist in einer guten Position, um diesen Spielraum zu nutzen und Vorschläge einzubringen. Das kommende Jahr der deutsch-chinesischen Innovationspartnerschaft bietet eine gute Gelegenheit. Aber auch bereits bestehende Kooperationen im Bereich der Elektromobilität sind Ausgangspunkte, um die Zusammenarbeit auszubauen und deutsche Interessen zu vertreten. Und nicht zuletzt kann Deutschland durch die jahrzehntelange tiefe Einbettung in den chinesischen Automobilsektor auf wertvolle Erfahrungen und Netzwerke zurückgreifen.

Die Botschaft der Kanzlerin muss daher lauten: Deutschland und China haben sich beim Thema Elektromobilität gegenseitig viel zu bieten. Es gibt zahlreiche Kooperationschancen, die bisher kaum ausgelotet sind. So könnte die gemeinsame Entwicklung maßgeschneiderter E-Car-Sharing-Konzepte mit dazu beitragen, die Elektromobilität in China ins Rollen zu bringen. Auch chinesische E-Busse auf deutschen Straßen müssen kein fernes Zukunftsszenario sein.

Das vorhandene Potenzial lässt sich für beide Seiten nur durch Kooperation und faire Marktzugangsregeln ausschöpfen. Die deutsche Automobilbranche wird davon genauso profitieren wie chinesische Hersteller. Die Reise der Kanzlerin kann hier ein Signal setzen. Der Zeitpunkt könnte passender nicht sein.

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