EEG-Reform Energieagenda 2020 für Europas Industrie

Geht es nach EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, dann müssten deutsche Unternehmen bis zu 20 Prozent der EEG-Umlage zahlen. Für Wirtschaftsminister Gabriel ist das zu viel. Er sieht Handlungsbedarf.
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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Die Lösung, die Almunia vorschlägt, können wir nicht akzeptieren.“ Quelle: dpa

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Die Lösung, die Almunia vorschlägt, können wir nicht akzeptieren.“

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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will mit einer „Energieagenda 2020“ die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie retten. „Ganz Europa hat als Industriestandort ein Problem“, sagte der Minister bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsvereinigung Stahl am Mittwoch.

Wegen der hohen Energiepreise sei die EU gegenüber Wettbewerbern wie den USA meilenweit im Rückstand. Er wünsche sich, „wenigstens noch die Rücklichter des fahrenden Zuges der Industrialisierung in den USA“ sehen zu können. Das Problem heute seien nicht wie vor zehn Jahren die Arbeitskosten, sondern die Energiekosten.

Bevor Gabriel sich den Bedürfnissen der europäischen Industrie widmen kann, muss er jedoch zunächst ein drängendes Problem auf dem heimischen Markt beheben: den Streit der Bundesregierung mit der EU über Industrieausnahmen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Gabriel will sich dafür einsetzen, dass EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia weitere Zugeständnisse macht. Almunia hatte im Streit um die Entlastungen für die Industrie zuletzt vorgeschlagen, die maximale Belastung für die Ökostrom-Förderung in besonders energieintensiven Betrieben auf 2,5 Prozent der Bruttowertschöpfung zu begrenzen, in einer Reihe weiterer Industriebranchen auf fünf Prozent. Gabriel sagte, er setze sich stattdessen für Obergrenzen von einem und 2,5 Prozent ein. „Die Lösung, die Almunia vorschlägt, können wir nicht akzeptieren“, erklärte der Minister. Auch die von der Kommission geforderten Rückzahlungen von Entlastungen aus den Jahren 2012 und 2013 lehnte er ab.

Das sind die größten Stromfresser im Haushalt
Strom abdrehen
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Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Eine Übersicht der Top Ten gibt Aufschluss:

80 Jahre SpülmaschineSpülmaschine Teller Spülen abwaschen
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Platz 10: Spülen

Mit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens günstiger: Hier werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht, als beim Spülen von Hand. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie und machen das Geschirr trotzdem sauber.

Datengrundlage: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.

Abwrackprämie für Heizungen noch in Ressortabstimmung
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Platz 9: Umwälzpumpe

Die elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen.

Hausfrau
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Platz 8: Trocknen

Beim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für uns erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden.

Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet werden, sprich zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft.

Verbot stromfressender Haushaltsgeräte geplant
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Platz 7: Diverses

Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalts-Stromverbrauchs aus. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz sogar Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd.

Strompreise
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Platz 6: Kochen

Mit 9,0 Prozent des Stromverbrauchs schlägt das Kochen zu Buche. Je nach eingesetzter Technologie kann der Anteil natürlich auch hier erheblich schwanken, so verbrauchen Omas gute alte Massekochplatten erheblich mehr Strom, als ein modernes Cerankochfeld oder gar ein Induktionskochfeld. Übrigens: Der Topf sollte, im Gegensatz zur Abbildung, immer möglichst genau auf die Herdplatte passen, um Energieverschwendung zu vermeiden. Und ohne Deckel auf dem Topf verbraucht man gleich das Dreifache an Energie.

Damit man den Deckel während des Kochvorgangs nicht häufig abheben muss, um den Kochvorgang zu beurteilen, ist ein Glasdeckel praktisch. Mit ein wenig Übung kann die Energiezufuhr auch schon vor dem Ende der Garzeit erheblich reduziert oder ganz abgeschaltet werden. Nudeln müssen nicht bis zum Erreichen des Garpunkts in kochendem Wasser schwimmen, Reis kann auch auf der abgeschalteten Herdplatte oder in eine dicke Decke gewickelt ausquellen. Grundsätzlich sollte immer so wenig Wasser wie möglich erhitzt werden.

Vattenfall und Hamburg weitgehend einig bei Netz-Übernahme
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Platz 5: Beleuchtung

Ein immer seltener werdender Anblick: Die Glühlampe. Nicht ohne Grund werden sie in der EU per Gesetz verbannt, denn sie wandeln gerade einmal fünf Prozent des eingesetzten Stroms in Licht um - der Rest geht als Wärme verloren. Effizienter sind Energiesparlampen und Licht emittierende Dioden, die sogenannten LEDs. 9,7 Prozent des Stromverbrauchs im Durchschnittshaushalt entfallen auf den Posten Beleuchtung. Hier lautet die Devise: Abschalten, wenn man nicht im Raum ist, und die verschwenderischen Glühlampen durch neue Technologien ersetzen. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, sie halten aber auch wesentlich länger und rechnen sich durch den geringeren Stromverbrauch.

„Wir sind mitten in den Verhandlungen, es gibt keine Einigung“, sagte Gabriel. Die Bedingungen für einen Kompromiss seien aber gut. Gabriel hatte kürzlich mitgeteilt, er wolle bis Ende März eine Lösung mit der Kommission. Bereits am 8. April soll dann die EEG-Reform vom Kabinett beschlossen werden.

Bundesregierung und Kommission streiten seit Wochen über die Industrierabatte. Sie gelten im Moment für knapp 2100 Betriebe, die lediglich eine stark reduzierte EEG-Umlage zahlen müssen. Die Entlastungen summieren sich in diesem Jahr auf rund fünf Milliarden Euro. EU-Kommissar Almunia geht das zu weit. Er hält die Ausnahmen für eine unzulässige Beihilfe. Almunia will, dass die Unternehmen bis zu den diskutierten Obergrenzen künftig 20 Prozent der EEG-Umlage von derzeit 6,24 Cent je Kilowattstunde zahlen. Im Moment werden ab einer bestimmten Strommenge nur 0,05 Cent fällig.

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