EEG-Umlage auf dem Prüfstand
Unternehmen drohen Milliarden-Nachzahlungen

Das EU-Verfahren gegen Entlastung bei Ökostrom-Abgaben könnte Unternehmen mehr als neun Milliarden Euro kosten. Teuer werden könnte es besonders für die Chemie- und Metallindustrie – und die Deutsche Bahn.
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Sechs Tage vor Weihnachten droht zahlreichen energieintensiven Unternehmen in Deutschland ein milliardenschwerer Schock aus Brüssel. Denn das Prüfverfahren der EU gegen die Befreiung deutscher Unternehmen von der Ökostrom-Umlage dürfte nicht nur die künftigen Stromkosten der betroffenen Firmen deutlich nach oben treiben.

Wenn Insider recht behalten, wird die EU mit der Eröffnung des Verfahrens am 18. Dezember auch eine Nachzahlung für die Entlastungen für die letzten zwei bis drei Jahre fordern. Das wiederum könnte für die betroffenen Firmen auf Zahlungspflichten von zusammen rund 9,4 Milliarden Euro hinauslaufen und in vielen Fällen schon für 2013 hohe Rückstellungen erzwingen.

Die Summen ergeben sich aus den Daten des Bundesumweltministeriums. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Umlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erspart. Für die beiden Vorjahre lag der Wert bei jeweils 2,7 Milliarden Euro; seit 2004 addieren sich die Entlastungen auf etwa 14 Milliarden Euro.

Am stärksten betroffen wäre die Deutsche Bahn, die als größter deutscher Stromverbraucher in den letzten drei Jahren mehr als 1,1 Milliarden Euro einsparte. Heftige Nachzahlungsforderungen müssen ferner Chemie-, Metall- und Papierhersteller fürchten. Bei Bayer Material Sciences etwa, der Kunststoff-Tochter von Bayer, dürften sich die EEG-Entlastungen der letzten drei Jahre auf mehr als 300 Millionen Euro addieren, bei Lanxess auf mehr als 100 Millionen Euro. Der Kautschukhersteller würde bei einem Wegfall der EEG-Entlastung wohl in die Verlustzone driften.

Thyssen-Krupp beziffert die Einsparungen seit 2011 auf 127 Millionen Euro, der Kupferhersteller Aurubis gibt sie mit 102 Millionen Euro an. Beide Unternehmen schreiben rote Zahlen.

Die Stahlindustrie hat für die letzten drei Jahre etwa 1,2 Milliarden Euro an EEG-Entlastung erhalten, für die Papierhersteller dürfte sich eine ähnliche Summe errechnen. „Wo sollen die Unternehmen das hernehmen?“, warnt der Sprecher des Verbands deutscher Papierfabriken, Gregor Geiger, mit Blick auf mögliche Nachzahlungen.

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Unternehmen drohen Milliarden-Nachzahlungen

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„Etliche Firmen würde das in den Ruin treiben“

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