Elektromobilität
Strom tanken wie mit der Zahnbürste

Spulen im Boden anstelle vieler Ladesäulen: Das Induktionsprinzip könnte die E-Mobilität voranbringen. Ein dringend nötiger Impuls, denn bisher sind die Alternativen zu umweltschädlichen Benzinern dürftig.
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MünchenViele reden davon, die wenigsten tun es: Elektromobilität findet in Deutschland bisher mehr in Absichtserklärungen als in der Realität statt. Mit ein Grund ist die fehlende Infrastruktur. Die Zahl der öffentlichen Ladesäulen ist überschaubar. Vielfach sperren sich die örtlichen Stadtwerke dagegen, die nötige Infrastruktur bereitzustellen. Dabei könnte es doch so leicht sein, den Akku des Pkw vollzubekommen, werben die Anbieter induktiver Ladetechniken. Genauso, wie eine elektrische Zahnbürste einfach auf ihre Ladestation gestellt wird, könnte es reichen, sein Auto am richtigen Ort zu parken, um den Stromspeicher wieder aufzufüllen.

Qualcomm Halo, eine Tochter des Chipentwicklers Halo, ist einer der Aussteller auf der Münchner Ecartec, einer Messe für Produkte und Dienstleistungen rund um die stromgetriebene Mobilität. Deutschlandchef Thomas Nindl glaubt an die Zukunft des Marktes – auch wenn der Durchbruch im Moment noch auf sich warten lässt. Sein rund 80 Mitarbeiter starkes Unternehmen kämpft zurzeit für einheitliche Standards bei der Ladetechnik. Der Gang durch die Gremien ist mühevoll, doch am Ende werde sich ihre Technik durchsetzen, ist sich Nindl sicher. Auch öffentliche Entscheidungsträger könnten mit ins Boot geholt werden. „Wir haben klare Signale von Stadtplanern erhalten, beispielsweise in Köln, dass Ladeplatten, die im Boden versenkt werden, lieber gesehen werden als zusätzliche Säulen.“ Schließlich sei in vielen Vierteln die Stadtmöblierung ein Problem. Niemand brauche zusätzlich zu Parkscheinautomaten, Telefonkästen und Verkehrsschildern weiteres technisches Gerät an den Straßen.

Fürs induktive Laden reicht eine unsichtbare Platte im Boden: Einfach drüberfahren, die Elektronik des Autos mit der Spule im Boden Kontakt aufnehmen lassen, aussteigen, fertig. Sobald der Akku voll ist, bekommt der Besitzer des Wagens eine Meldung aufs Smartphone. Die elektromagnetischen Felder, die um die Spulen im Boden und im Auto entstehen – kein Problem, heißt es. Für Gesunde seien sie ohnehin unerheblich, und sobald sich beispielsweise Träger von Herzschrittmachern näherten, schalte sich das System automatisch ab. „Wir halten uns akribisch an die Grenzwerte und minimieren trotzdem die Übertragungsverluste auf maximal zehn Prozent der elektrischen Leistung.“

Fehlt noch die Autoindustrie, um das Geschäftsmodell perfekt zu machen. Mit BMW kooperiert Qualcomm Halo bei der Elektro-Rennserie Formel E, lädt den i3 und den i8. Weiter geht die Zusammenarbeit bisher nicht - BMW tastet sich zurzeit zwar zusammen mit Daimler beim induktiven Laden voran, setzt dabei aber auf die Technik des Schweizer Unternehmens Brusa. Eine ganze Reihe weiterer Anbieter wie Bombardier, Siemens oder WiTricity sind ebenfalls an der Technologie dran - wer am Ende das Rennen macht, ist offen.

Mit entscheidend dürfte die Flexibilität der Systeme sein. „Wir bieten die Voraussetzung dafür, dass sowohl ein Honda in Deutschland als auch ein i3 in China laden kann“, verspricht Nindl. Qualcomm Halo gelang es immerhin schon, einige größere Zulieferer als Lizenznehmer zu gewinnen, Energieversorger sollen folgen. „2017 werden E-Autos mit induktiver Ladetechnik in Serie gehen, dann werden wir auch Umsätze sehen“, prognostiziert Thomas Nindl. Dann sei es nur eine Frage der Zeit, bis aus den Umsätzen Gewinne würden.

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