Energie
Blackstone will in deutsche Windparks auf See investieren

Mit „Meerwind Südost“ wurde erstmals ein großes Offshore-Projekt nur mit privatem Kapital verwirklicht. Nach Startschwierigkeiten werden Windparks auf hoher See wirtschaftlicher – und damit interessant für Unternehmen.
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Es handelt sich um eines der ehrgeizigsten deutschen Offshore-Projekte: 80 Riesenwindmühlen drehen sich weit draußen im Meer, 23 Kilometer nördlich von Helgoland. Sie können 360 000 Haushalte mit Strom versorgen. Am Montag weihte Sean Klimczak vom US-Investor Blackstone das Projekt Meerwind Südost mit Partnern offiziell ein. "Meerwind ist der erste große Offshore-Park in der deutschen Nordsee, der fristgerecht und im geplanten Kostenrahmen gebaut wurde", sagte er dem Handelsblatt.

Klimczak, der als Managing Director bei Blackstone für die Energiebranche verantwortlich ist, glaubt, dass dies auch andere Unternehmen überzeugt. "Wir sehen immer mehr Investoren, die sich an Meerwindparks beteiligen."

Meerwind ist das erste große deutsche Offshore-Projekt, das allein mit privatem Kapital verwirklicht wurde. Der US-Investor Blackstone finanzierte die erforderlichen 1,3 Milliarden Euro zusammen mit sieben Geschäftsbanken. Hinzu kommt allerdings noch die Unterstützung der KfW sowie der dänischen Exportkreditagentur EKF.

Mit dem Projekt Meerwind ist für Klimczak das Thema Offshore aber noch nicht abgeschlossen. "Wir wollen in weitere deutsche Meerwindparks investieren", kündigte Klimczak an. "Wir diskutieren derzeit mehrere Projekte." Mit einer Entscheidung rechnet er in den nächsten zwölf bis 18 Monaten.

Klar ist hingegen, dass der Windpark "Nördlicher Grund" vor Sylt gebaut werden soll. Für dieses Kraftwerk fehlt Blackstone noch die Zusage für den Anschluss ans Stromnetz. "Wir werden den Windpark Nördlicher Grund bauen, sobald wir die Zusage haben", versicherte Klimczak. Nördlicher Grund soll 108 Kilometer nordwestlich von Helgoland entstehen.

Schwierige Bedingungen vor deutscher Küste

In Deutschland kommt das Geschäft mit Windkraftwerken im Meer langsam auf Touren. Zuerst gab es viele Verzögerungen. Denn in Deutschland entstehen die Windparks unter erschwerten Bedingungen. Sie liegen aus Umweltschutzgründen weit draußen im Meer. Dort ist das Wasser tiefer und der Wind rauer als bei vielen Projekten vor der dänischen Küste.

In der Vergangenheit mussten Industrie und Investoren deshalb beim Bau der Anlagen eine Lernkurve durchlaufen. Außerdem gab es viel Ärger, weil der Anschluss ans Stromnetz komplexer war als gedacht und sich erheblich verzögerte. Die Bundesregierung senkte deshalb ihre Zielvorgabe bis 2020 von zehn auf 6,5 Gigawatt.

Doch nach vielen Anlaufproblemen wächst der Markt nun. Zurzeit sind erst Windräder mit einer Leistung von 900 Megawatt (MW) vor Deutschlands Küsten installiert. Doch im kommenden Jahr werden nach Berechnungen der Stiftung Offshore weitere Anlagen mit einer Leistung von 2 400 MW errichtet.

So kündigten Vattenfall und die Stadtwerke München Anfang August an, die Investitionsentscheidung für den Bau des Offshore-Windparks "Sandbank" sei nun gefallen. Das Volumen für das Gemeinschaftsprojekt beläuft sich nach Angaben beider Unternehmen auf rund 1,2 Milliarden Euro. "Sandbank" ist nach dem Offshore-Windpark "Dan Tysk" bereits das zweite große Offshore-Projekt, das die beiden Unternehmen gemeinsam umsetzen wollen. Auch der RWE-Konzern treibt sein Offshore-Geschäft voran. So baut er sein zunächst auf Eis gelegtes Projekt Nordsee Ost nun mit einem kanadischen Partner.

Offshore-Windparks immer wirtschaftlicher

Viele Finanzinvestoren verfolgen die Fortschritte bei Meerwindkraftwerken ebenfalls mit Spannung. Der Münchener Versicherungskonzern Allianz hält sich zwar noch zurück. Er investiert aber immer mehr Geld in erneuerbare Energien. So hat die Allianz, wie sie am Montag mitteilte, eine Summe von zwei Milliarden Euro bei ihren Investitionen in Wind- und Solarparks überschritten.

Vor allem weil die Industrie die Kosten weiter senkt, werden Offshore-Windparks immer wirtschaftlicher - und damit interessant für Unternehmen wie die Allianz. Klimczak von Blackstone nennt die 3,6 Megawatt-Turbinen vom Meerwind-Park als Beispiel. "Wenn Sie statt der 3,6-MW-Turbinen solche mit einer Leistung von sechs MW einsetzen, können Sie die Kosten pro MW um 25 Prozent senken."

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