Energie sparen
Kein Verkauf ohne Gebäudepass

Ab 1. Mai gelten neue Regeln zum Energieausweis. Künftig muss das Dokument spätestens bei Besichtigungen der Immobilie vorliegen. Viele Hausbesitzer haben sich noch nicht darauf eingestellt.
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BerlinEigentlich ist seit Monaten bekannt, dass im Mai 2014 die novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft tritt und sich damit auch die Vorschriften für den Energieausweis von Gebäuden ändern. Wichtigster Punkt: Gebäude dürfen nur noch mit Pass vermietet oder verkauft werden. Doch zur Kenntnis genommen hat dies kaum jemand. "Viele Eigentümer haben noch keinen Energieausweis", stellt Ulrich Löhlein fest, Referent Immobilienverwaltung beim Immobilienverband IVD. Nun beobachtet Hans J. Broda, Architekt und Beratender Ingenieur, dass "ein gewisser Aktionismus ausgebrochen ist".

Von der aufkommenden Hektik wird Broda profitieren. Er ist Geschäftsführer der Energieausweis48 GmbH, einem der Unternehmen, die angetreten sind, den Immobilieneigentümern aus der Patsche zu helfen und damit ein Geschäft zu machen. Gegründet haben Energieausweis48 das Immobilienbewertungsunternehmen Sprengnetter und die Softwareschmiede Flowfact. Der Name ist Programm: Das Unternehmen verspricht, innerhalb von 48 Stunden einen Energieausweis zu liefern. Zwei Wochen dauert die Ausstellung des Ausweises, wenn man ein neues Angebot annimmt, das das Maklerhaus Planethome in Kooperation mit dem Energieberatungsunternehmen Senercon auf seiner Homepage unterbreitet.

Wer den Ausweis schnell braucht, muss etwas mehr zahlen. Damit der Gebäudeeigentümer den Pass von Energieausweis48 tatsächlich innerhalb von zwei Arbeitstagen in Händen hält, muss er die nötigen Daten kennen. Denn im Normalfall trägt er sie selbst in ein Formular ein. Der Dienstleister erstellt dann für 79 beziehungsweise 118 Euro den Verbrauchs- beziehungsweise Bedarfsausweis. 298 Euro koste der Bedarfsausweis, wenn ein Experte vor Ort bei der Eintragung der Daten hilft.

Es muss nicht teuer werden

Allerdings müssen Eigentümer für den Energiepass nicht unbedingt so tief in die Taschen greifen. Bereits seit längerem bieten Messdienstleister den Verbrauchsausweis im Internet für teilweise weniger als 30 Euro an. Auch bei diesen Anbietern muss der Eigentümer die Verbrauchswerte selbst in ein Formular eingeben.

Doch ist beim Do-it-yourself-Verfahren nicht der Manipulation Tür und Tor geöffnet? "Ein Betrug ist nicht ganz auszuschließen", antwortet Broda von Energieausweis48. "Aber wir haben ein mehrstufiges Plausibilitätssystem." Tatsächlich dürfen laut EnEV die Aussteller die vom Eigentümer bereitgestellten Daten nicht verwenden, "soweit begründeter Anlass zu Zweifeln an deren Richtigkeit besteht". Zudem werden künftig die mit der Umsetzung der EnEV beauftragten Länderbehörden die Energieausweise stichprobenartig überprüfen. Wer schummelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld rechnen.

Die Geschäfte von Energieausweis48 und anderen dürften prächtig laufen - denn vom 1. Mai an sind Vermieter und Verkäufer von Wohnungen verpflichtet, den Interessenten spätestens bei der Besichtigung der Wohnung den Energieausweis vorzulegen. Bislang mussten die Eigentümer diesen Ausweis den Kauf- oder Mietinteressenten nur zugänglich machen, wenn diese es ausdrücklich verlangten.

Wählen können Eigentümer wie bisher zwischen zwei Varianten: dem Energieverbrauchs- und dem Energiebedarfsausweis. Während der Verbrauchsausweis auf den tatsächlichen Energieverbrauchswerten der vergangenen drei Jahre basiert, berechnet der Bedarfsausweis auf Grundlage der Gebäudekubatur und des Heizsystems den theoretischen Energiebedarf. "Dabei beziehen sich beide Varianten immer auf das gesamte Gebäude und nicht auf die einzelne Wohnung", erläutert Gerold Happ von Haus Grund.

Kritik von Branchenvertretern

Vorteil des Verbrauchsausweises: Er ist deutlich preisgünstiger. Zugelassen ist er laut Happ jedoch nur bei Gebäuden, die mindestens fünf Wohnungen haben und für die der Bauantrag nach dem 1. November 1977 gestellt wurde. Bei neu errichteten Wohngebäuden ist ausschließlich der Bedarfsausweis erlaubt. Keinen Energieausweis brauchen denkmalgeschützte Immobilien. Ausstellen dürfen den Ausweis dafür qualifizierte Fachleute wie Architekten, Bauingenieure oder Heizungsbauer. Eine Experten-Liste veröffentlicht die Deutsche Energie-Agentur (Dena) unter www.energie-effizienz-experten.de.

Neu ist von Mai an auch die Gestaltung des Ausweises: Der bisherige Balken wird durch die Angabe von Energieeffizienzklassen ergänzt, die sich an der Bewertung von Haushaltsgeräten orientieren und von A+ (für sehr energieeffiziente Gebäude) bis H (für Gebäude mit hohem Energieverbrauch) reichen. Branchenvertreter sehen diese Neuerung kritisch: "Die Erwartung, dass Wohnungssuchende anhand der Energieeffizienzklassen eindeutig nachvollziehen können, welche Betriebskosten auf sie zukommen, wird sich nicht erfüllen", prophezeit Ulrich Löhlein vom IVD. Denn zum einen sei immer das individuelle Verbrauchsverhalten entscheidend, zum anderen hänge die Höhe der Betriebskosten vom Energieträger ab.

Eine weitere neue Regel: Die Daten des Energieausweises müssen bereits in Inseraten in Zeitungen und im Internet genannt werden. Das werde gravierende Auswirkungen auf die Print-Anzeigen haben, erwartet IVD-Vertreter Löhlein: "Solange die Verlage kein Abkürzungsverzeichnis vorlegen, werden sich Anbieter bei Anzeigen zurückhalten, weil die vollständigen Angaben aus dem Energieausweis viel Platz benötigen und deshalb die Anzeigenkosten in die Höhe treiben."

Entspannt zurücklehnen können sich die Inhaber eines Energieausweises nach den alten Vorschriften: Er bleibt zehn Jahre lang gültig.

Christian Hunziker
Christian Hunziker
Schulenburgring 2, 12101 Berlin, 030/49768424 / Freier Journalist
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