Energieagentur-Bericht
Kohlendioxid-Ausstoß erreicht Rekordhoch

Die USA und China gelten nicht als vorbildliche Klimaschützer. Doch laut der neuesten Statistik der Energieagentur IEA haben sie bei der CO2-Reduzierung Fortschritte gemacht. Deutschland bekommt ein schlechtes Zeugnis.
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Düsseldorf/LondonDer weltweite Ausstoß von Kohlendioxid bei der Energiegewinnung ist im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch von 31,6 Gigatonnen geklettert. Das gab die Internationale Energie-Agentur (IEA) am Montag in London bekannt. „Wir sind dabei, unser Ziel einer Erderwärmung von nicht mehr als zwei Grad Celsius aus den Augen zu verlieren“, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol. Gebe es kein Umdenken, steuere die Welt auf eine Erwärmung um etwa vier Grad Celsius bis 2100 zu, schlechtesten Falls sogar um bis zu 5,3 Prozent. „Das ist nicht so, dass man da mal so eben das Jackett auszieht und dann ist es wieder angenehm“, sagte Birol in Anspielung auf die Folgen.

Aus China und den USA gebe es ermutigende Signale, sagte er. In den Vereinigten Staaten habe ein entschiedener Wechsel von der Energiegewinnung aus Kohle zu Gas dazu geführt, dass die Ausstöße auf das Level von Mitte der 1990er Jahre zurückgegangen sind. Die Förderung von Erdgas und Öl aus bislang unerreichbaren Vorkommen hatte den US-amerikanischen Energiemarkt völlig umgekrempelt.

In China hat sich zumindest der Anstieg des Ausstoßes mit 3,8 Prozent im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Bisher hatten sich die Länder eher als Blockierer des weltweiten Klimaschutzes gezeigt.

„Aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, sagte IEA-Exekutivdirektorin Maria van der Hoeven. Die IEA berät 28 Regierungen in aller Welt, darunter die deutsche Bundesregierung und das Weiße Haus in Energiefragen.

Europa gebe Anlass zu verstärkter Sorge, sagte Birol. Deutschland hat dem Bericht zufolge seinen Kohlendioxid-Ausstoß 2012 um 2,2 Prozent erhöht, Großbritannien sogar um 4,5 Prozent. Grund seien vor allem niedrige Preise für Kohle.

Auch in Japan stieg der Ausstoß wegen des Ersatzes von Kernenergie durch Kohle nach dem Fukushima-Unglück. Insgesamt wurde der Ausstoß in Europa aber wegen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent reduziert. Gleichzeitig seien 2012 aber auch die Investitionen in erneuerbare Energien zurückgegangen.

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die Welt – ohne wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen – auf den Pfad des Zwei-Prozent-Zieles zurückkehren kann. Es müssten effiziente Energiesparmaßnahmen ergriffen werden, sowohl bei Gebäuden, als auch bei der industriellen Fertigung. Der Neubau von Kohlekraftwerken müsse begrenzt, die am wenigsten effizienten müssten vom Netz genommen werden. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die IEA in einem Bericht zur Rolle der Energieträger gewarnt, dass die Bedeutung von Kohle wächst. Binnen zehn Jahren werde Kohle Öl als wichtigster Energielieferant überholen, hieß es. Vor allem der wachsende Energiehunger von Schwellenländern treibt die Nachfrage nach dem Rohstoff. „Die Welt wird 2017 rund 1,2 Milliarden Tonnen mehr Kohle verbrauchen als heute“, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven.

IEA-Chefökonom Birol sagte bei der Vorstellung des aktuellen Berichts am Mittwoch, dass allein 18 Prozent des globalen CO2-Sparzieles erreicht werden könnten, wenn Öl- und Gaskonzerne bei der Gewinnung der Rohstoffe kein unnötiges Methan in die Atmosphäre freisetzten. Zwölf Prozent seien zu sparen, wenn die Regierungen zumindest teilweise aufhörten, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu subventionieren. „Das alles ist möglich mit bereits existierenden Technologien und mit Maßnahmen, die in einzelnen Ländern bereits greifen“, sagte Birol.


Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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