Energieagentur IEA
Zwei Billionen Dollar gesucht

Die Energieagentur IEA sieht Europas Stromversorgung gefährdet – wenn die Kraftwerke nicht lukrativer werden. Die Agentur schätzt den Aufwand für die Stromerzeugung auf 1,6 Billionen Dollar und warnt vor einem Blackout.
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London, DüsseldorfDass die Energiewende nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa vor enorme Herausforderungen stellt, ist bekannt. Seit Dienstag ist diese Herausforderung aber in eine konkrete Zahl gefasst - und die ist gewaltig: Zwei Billionen Dollar sind nötig, um die Stromversorgung der Europäischen Union (EU) bis zum Jahr 2035 grüner und sauberer zu machen.

Umgerechnet fast 1,5 Billionen Euro müssen investiert werden, um die erneuerbaren Energien auszubauen und gleichzeitig die Stromnetze zu ertüchtigen sowie alte Kohle- und Gaskraftwerke zu ersetzen. Die Zahl stammt nicht von einem Energiekonzern, einer Lobbyorganisation oder einer EU-Regierung, die ein Interesse haben, die Kosten der Energiewende zu über- oder zu untertreiben. Sie wurde von der Internationalen Energieagentur (IEA), der autonomen Energieabteilung der OECD, im Rahmen einer umfangreichen Marktanalyse ermittelt.

Knapp 1,6 Billionen Dollar müssen der IEA zufolge in die Stromerzeugung fließen, gut 600 Billionen Dollar in die Stromnetze. Europa hat in den kommenden zwei Jahrzehnten den größten Investitionsbedarf weltweit - nach dem Boomland China. Die IEA sieht den Bedarf von 740 Gigawatt an zusätzlichen Kapazitäten in Wind-, Solar- und Wasserkraft, aber auch mit Kohle- und Gaskraftwerken. Zum Vergleich: Ein großes Kohlekraftwerk kommt auf eine Leistung von einem Gigawatt. Gleichzeitig müssten neue Stromleitungen in einer Länge von knapp einer Million Kilometer gebaut werden. Zudem müssten die bestehenden Leitungen auf einer Länge von 5,5 Millionen Kilometern erneuert werden.

Die Zahlen sind nicht nur gewaltig, für Fatih Birol, den Chefvolkswirt der IEA, sind sie auch Anlass zur Sorge: „Der europäische Strommarkt gerät in gefährliches Fahrwasser“, warnte Birol bei der Präsentation der Studie. „Der Markt muss neu gestaltet werden, sonst gehen die Lichter aus - und das ist kein Witz.“ Nach Birols Worten setzt der Markt derzeit die falschen Anreize. Insbesondere der Bau von neuen Kohle- und Gaskraftwerken sei nicht attraktiv - und von diesen würden auch noch 100 Gigawatt an neuen Kapazitäten benötigt.

Schließlich steigt zwar die Produktion an Solar- und Windstrom, zur Absicherung sind aber konventionelle Kraftwerke nötig, weil Windräder und Solardächer vom Wetter abhängig sind. Gleichzeitig kommen aber viele fossile Kraftwerke in die Jahre und müssen vom Netz genommen werden, insbesondere in Ost- und Südeuropa.

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