Energieautarkie
Stromproduktion in Eigenregie

Zunehmend produzieren Kommunen Strom und Wärme in Eigenregie. Das hat nicht nur ökologische Motive, sondern auch wirtschaftliche und politische Gründe.
  • 4

Besser später Ruhm als gar keiner, das mögen sich die Stadtoberen von Aachen im Februar dieses Jahres gedacht haben. Da nämlich würdigte die Agentur für Erneuerbare Energien die Stadt Karls des Großen mit dem Titel „Energie-Kommune“ für ein vorbildliches kommunales Energieprojekt.

Dessen Ursprung liegt weit in der Vergangenheit. Mit dem sogenannten Aachener Modell verabschiedete der Stadtrat im Jahr 1993 den regionalen Vorläufer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Die Kernidee: Endverbraucher zahlen an die Betreiber alternativer Kraftwerke eine kostendeckende Einspeisevergütung.

Diese erste Garantiezahlung an die Betreiber gab dem Ausbau der Erneuerbaren Schub. Der Pioniergeist der Aachener zeigt, dass Kommunen in Energiefragen schon früh Unabhängigkeit anstrebten. Inzwischen haben sich viele Nachahmer gefunden.

2010 gab es in Deutschland bereits etwa 160 Kommunen, die in Eigenregie erneuerbare Energie über ihren Gesamtbedarf hinaus produzierten, also als bilanziell unabhängig galten. In diesem Jahr ist laut einer Studie der Marktforscher von Trendresearch die Zahl auf 240 gestiegen.

Neben ökologischen Motiven sieht Dirk Briese, Geschäftsführer von Trendresearch, auch wirtschaftliche und politische Gründe bei den Kommunen: „Sie erzielen so positive Renditen, zudem erhoffen sich Politiker durch die Energieautarkie ein besseres Image.“ Laut Studie sind die größten Treiber staatliche Förderung und die Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen.

In Mauenheim, einem Ortsteil der Gemeinde Immendingen nahe der Grenze zur Schweiz, ging der Impuls von örtlichen Unternehmern und der Bevölkerung aus. Seit
2006 produziert eine Biogasanlage mit Blockheizkraftwerk des örtlichen Unternehmens KCH Biogas vier Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr – neunmal mehr als die hundert Haushalte in Mauenheim verbrauchen. Dieser wird ins öffentliche Netz eingespeist. Zudem entsteht Wärme, mit der die Gemeinde ihren Bedarf deckt. Dafür wurde eigens ein vier Kilometer langes Nahwärmenetz verlegt. Jeder Mauenheimer konnte sich daran finanziell beteiligen.

Seite 1:

Stromproduktion in Eigenregie

Seite 2:

Festpreis-Garantie für 20 Jahre

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%