Energiebranche
Fangnetz für sichere Stromversorgung

Die Energiebranche debattiert über Kapazitätsmärkte. Netzbetreiber Tennet stellt eigenes Modell vor, durch das im Einsatzfall nicht der Endverbraucher bezahlen muss, sondern die Stromhändler und -lieferanten.
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BerlinDie Energiebranche kennt seit Monaten kein wichtigeres Thema als Kapazitätsmärkte. Große wie kleine Stromproduzenten wollen erreichen, dass sich die Stromerzeugung mittels fossiler Kraftwerke wieder rentiert. Schon das Vorhalten von Kraftwerkskapazitäten soll deshalb honoriert werden. Von der Politik wünschen sich die Kraftwerksbetreiber den Rechtsrahmen dafür. Doch nun spucken ihnen die Netzbetreiber in die Suppe: "Wir betrachten Kapazitätsmärkte skeptisch, weil wir der Überzeugung sind, dass es bessere Lösungen gibt", sagte Lex Hartman, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, dem Handelsblatt. Und habe man Kapazitätsmärkte erst einmal eingerichtet, sei der Weg zurück schwierig.

"Bei den gängigen Kapazitätsmarktmodellen zahlen die Stromverbraucher für die Sicherheit der Versorgung. Es fehlt somit jeder Anreiz der Stromerzeuger, den Kapazitätsmarkt klein zu halten", warnt Hartman. Der Manager sieht die Gefahr, "dass der Kapazitätsmarkt von Jahr zu Jahr wächst". Das könne "sehr teuer" werden. Hartmann ist überzeugt, dass sich "die Sicherheit der Stromversorgung billiger und besser gewährleisten lässt".

Hintergrund der Debatte: Viele fossile Kraftwerke lassen sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Weil der Strom aus erneuerbaren Quellen ungebremst in den Markt drängt, sinkt die Auslastung von Kohle- und Gaskraftwerken dramatisch. Bei der Bundesnetzagentur stapeln sich deshalb die Anträge auf Stilllegung von Anlagen. Da aber ein Sockel an fossilen Kraftwerken unverzichtbar ist, um die Sicherheit der Stromversorgung zu jeder Sekunde des Jahres zu gewährleisten, muss nach Überzeugung der Kraftwerksbetreiber gegengesteuert werden: Sie wollen Kapazitätsmärkte einführen. Der Branchenverband BDEW hatte dazu Ende 2013 ein Konzept vorgestellt, in dessen Mittelpunkt ein "dezentraler Leistungsmarkt" steht. Auf ihm sollen Zertifikate für Versorgungssicherheit gehandelt werden.

Auch der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD greift das Thema auf. Darin heißt es, es sei "mittelfristig ein Kapazitätsmechanismus zu entwickeln". Die Kraftwerksbetreiber hatten sich mehr gewünscht. Sie fordern rasche Entscheidungen.

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Politik scheut die Belastungen

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