Energiegenossenschaften
Boom mit Delle

Genossenschaften haben massiv in die Energiewende investiert. Die meisten Mitglieder sind Privatleute, die mit hohen Renditen angelockt wurden. Häufig bleibt ihnen von der Dividende aber nicht mehr als das Versprechen.
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Die Unternehmen konnten zwar viele neue Mitglieder anziehen. Doch lohnende Investitionen sind trotz staatlicher Stütze für die Erneuerbaren schwieriger zu finden. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) hat die Unternehmen über ihr Geschäft mit Sonne, Wind und Biogas befragt und das Ergebnis vorgestellt. Danach stieg die Zahl der Mitglieder bei den 656 Energiegenossenschaften binnen Jahresfrist von 80.000 auf 136.000. Die allermeisten, nämlich 125.000, sind Privatleute, die wie die institutionellen Investoren mit ihren Einlagen an den Unternehmen beteiligt sind. Rund 1,2 Milliarden haben die Genossenschaften in die Energiewende investiert. Dabei decken sie bisher den Strombedarf von 160.000 Durchschnittshaushalten ab.

Der Schub bei den Kooperativen dürfte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) behagen. Auch er setzt darauf, dass jene, die am Umbau der Energieversorgung mitverdienen, nicht mehr gegen Pläne in der Nachbarschaft protestieren. Mit schönen Renditen sollen Bürger in solche Projekte gelockt werden. Windparks, Solaranlagen oder Gaskraftwerke werfen zum Teil deutlich höhere Zinsen ab als Tages- oder Festgeldanlagen. Allerdings zahlten nach den nun vorgestellten Zahlen nur 40 Prozent der Genossenschaften überhaupt eine Dividende, die dann bei durchschnittlich knapp vier Prozent lag. Die anderen erwirtschafteten noch nicht genug Gewinn.

Die Bundesregierung hatte zuletzt mit Investitionsangeboten für die Anrainer der neuen Stromtrassen zwischen Nord- und Süddeutschland geworben. Sie können sich an den Baukosten beteiligen und für ihre Einlagen rund fünf Prozent Zinsen erhalten. Dies sehen die Pläne vor, die Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit den Netzbetreibern Tennet, Amprion, TransnetBW und 50Hertz vereinbarten. Die Pläne der Bundesregierung haben aber auch Schwächen. Der Bund der Energieverbraucher kritisiert, dass die Rendite zu niedrig sei. Schließlich gestehe die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern eine garantierte Eigenkapitalrendite von über neun Prozent zu.

Doch die Bedingungen für die Genossenschaften werden nicht einfacher. Für den „grünen“ Strom sinken die staatlich garantierten Abnahmepreise und damit schrumpft die Marge. Die Kooperativen müssen zudem zunehmend Strom selbst an Kunden bringen. Bisher können sie alles ins allgemeine Netz einspeisen und bekommen dafür eine festgelegte Bezahlung. Nach der Verbandsumfrage fühlen sich die meisten Genossenschaften, die oft klein sind und vom Engagement der Mitglieder abhängen, solchen Aufgaben noch nicht gewachsen.

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