Energiemix
Eine Geisterfahrt

Die Kohle gehört zu einem vernünftigen Energiemix. Thomas Bareiß, Koordinator für Energiepolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, warnt vor einem übereilten Ausstieg.
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Ein neues Kampfthema ist gefunden: der schnelle Kohleausstieg. In einer unheilvollen Allianz von Klima- und Naturschutzverbänden über Kirchen bis hin zu Teilen der Bundesregierung soll der deutschen Kohleindustrie der Garaus gemacht werden. Wenn man den Aktionsplan Klimaschutz des Bundesumweltministeriums ernst nimmt, soll zeitgleich innerhalb von zwei Dekaden aus der Kernenergie und der Kohleverstromung ausgestiegen werden. Das wäre ein Ausstieg aus zwei Dritteln unserer Stromversorgung, mit erheblichen Auswirkungen auf unser Energiesystem.

Das bewährte Zieldreieck von Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit wäre damit komplett deformiert. Die Energiekosten würden weiter nach oben getrieben, und auch die hohe deutsche Energie- und Versorgungssicherheit wäre gefährdet.

Gesicherte Leistung, die wir zu unserer Versorgung auch in Zukunft brauchen, würde nicht mehr zur Verfügung stehen und könnte nur durch hohe Investitionen in neue Gaskraftwerke ersetzt werden. Statt auf einen ausgeglichenen Mix unterschiedlicher Energieträger zu setzen, würden wir uns noch stärker abhängig machen von einigen wenigen Staaten, die uns mit Gas versorgen können. Der heimische Energieträger Braunkohle würde zugunsten von Gas aus Russland aufgegeben. Ganzen Regionen, wie der Lausitz, wird damit kurzfristig die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das alles gleicht einer volkswirtschaftlichen Geisterfahrt.

Infografik Der große Umbau



Der Ausstieg aus der Kohle beschränkt sich aber nicht nur auf die heimische Stromversorgung, auch der deutschen Kraftwerksindustrie soll durch ein Verbot der Exportfinanzierung die Geschäftsgrundlage entzogen werden. Die internationale Energieagentur rechnet weltweit mit einem gigantischen Zubau der Kohlekraft bis 2035: In den kommenden 20 Jahren gehen durchschnittlich jede Woche zwei neue Kohlekraftwerke ans Netz. Mit deutscher Kraftwerkstechnologie könnte dieser Zubau effizienter und klimaschonender erfolgen. Allein mit dem Einsatz von deutscher Technologie könnte der CO2-Ausstoß der neu gebauten Kraftwerke um 300 Millionen Tonnen jährlich reduziert werden. Das entspricht einem Drittel der deutschen CO2-Emissionen.

Aber deutsche Klimaschützer wollen, dass unsere Unternehmen in diesem Markt nicht mehr mitspielen. Deshalb bangen über 36 000 Beschäftigte bei deutschen Kraftwerksherstellern um ihren Job. Zum Vergleich: Bei deutschen Solarzellen- und Modulherstellern sind in den letzten Jahren trotz Milliardensubventionen nur knapp 5000 Arbeitsplätze entstanden.

Der Strommarkt der Zukunft wird natürlich von einem immer weiter steigenden Anteil der erneuerbaren Energien geprägt sein, aber er braucht auch weiterhin flexible Optionen, die in windschwachen und sonnenarmen Stunden verlässlich die Versorgung sicherstellen. Das können Speichertechnologien, flexible Verbraucher, aber auch fossile Kohlekraftwerke sein. Auch in Zukunft brauchen wir im Erzeugerpark einen gesunden Mix. Hier gilt es, einen wettbewerblichen, technologieoffenen und diskriminierungsfreien Rahmen zu schaffen, statt Technologien ideologisch auszusortieren.

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