Energiepreise
Wie das EEG deutsche Firmen in die Flucht schlägt

Die Sonderabgabe für erneuerbare Energien wird für viele deutsche Unternehmen zum Standortnachteil. Die Wirrungen der heimatlichen Energiepolitik hat vor allem der deutsche Chemiekonzern Wacker zu spüren bekommen.
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MünchenEinst glaubte Alexander Wacker den idealen Standort für sein Werk gefunden zu haben. In Burghausen, 100 Kilometer östlich von München, zapfte der Unternehmensgründer 1914 die Wasserkraft des Flüsschens Alz an, um seine Chemieproduktion billig mit Energie zu versorgen. Heute arbeiten 10.000 Menschen in dem riesigen Industriekomplex nahe der österreichischen Grenze. Doch der große Standortvorteil ist weg.

Die eigene Wasserkraft reicht schon lange nicht mehr, auch das später gebaute Gaskraftwerk kann den Energiehunger des Chemiewerks nicht stillen. Wacker muss kräftig am Markt zukaufen. 0,7 Prozent des deutschen Strombedarfs verbraucht das Werk in Burghausen - und das ist in den vergangenen Jahren teuer geworden. Auf gut 200 Millionen Euro beziffert der Konzern die Mehrausgaben, die das Münchener Unternehmen seit 2007 über die Erneuerbare-Energien-Abgabe (EEG) gezahlt hat.

Zwar ist die börsennotierte Firma zum Teil von der ungeliebten Umlage befreit - aber eben nur für 20 Prozent der zugekauften Strommenge. Und Wacker muss wie der Rest der Branche fürchten, dass auch diese Ausnahmen von der sich anbahnenden Großen Koalition in Berlin beschnitten werden. Für Konzernchef Rudolf Staudigl ein Ärgernis: "Die stromintensive, im internationalen Wettbewerb stehende Industrie muss zwingend von der EEG-Umlage befreit sein", sagte der Manager dem Handelsblatt. "Es geht bei den Strompreisentlastungen für die energieintensive Industrie nicht um Wohltaten, sondern um den Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit." Und es könnte noch schlimmer kommen: Sollte die EU-Kommission am 16. Dezember ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland eröffnen, droht der Industrie sogar die volle Umlage. Für Staudigl wäre das "eine Katastrophe".

Kaum ein deutscher Industriekonzern hat die Wirrungen der deutschen Energiepolitik so zu spüren bekommen wie Wacker. Denn das Unternehmen ist einer der weltgrößten Hersteller von polykristallinem Silizium, dem Grundstoff für die Solarzellenproduktion. Als in Deutschland der Markt über die massiven Einspeisesubventionen boomte, steckten die Münchener in Bayern und Thüringen zwei Milliarden Euro in neue Anlagen, Wacker wurde zum Börsenstar.

Doch der Kater folgte schnell: 2011 und 2012 stürzten die Siliziumpreise regelrecht ab. Die großen deutschen Abnehmer sind überwiegend pleite. Neben dem Preisverfall kämpft Wacker nun mit den hohen Stromrechnungen der energiefressenden Produktion. Von den Gewinnen der vergangenen Jahre wird 2013 nicht viel übrig bleiben.

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