Energieversorgung
Angst vor dem Blackout

Das Stromnetz ist beherrschbar – noch. Aber es wird anfälliger. Wenn der Blackout ausbleiben soll, muss sich deswegen einiges verändern.
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Mit Warnungen vor einem Blackout lässt sich beträchtliche Aufmerksamkeit erzielen. Das weiß auch RWE-Chef Peter Terium. Wenn er sich jetzt sorgt, die Versorgungslage sei angespannt, lohnt es sich, genauer hinzuhören.

Keine Frage: Das Stromversorgungssystem ist nicht mehr so robust wie früher. Heute muss der rasant wachsende Anteil der erneuerbaren Energien ins Netz integriert werden, das Auf und Ab ihrer Erzeugung ist schwer kalkulierbar. In den Leitwarten der Netzbetreiber ist der Ausnahmezustand daher zur Regel geworden. Außerdem gehen reihenweise fossile Kraftwerke vom Netz, weil ihr Betrieb sich nicht mehr rechnet. Sie werden von den Erneuerbaren aus dem Markt gedrängt, die immer stärker die Strombörsen fluten und die Preise drücken.

Und dennoch ist die Katastrophe bislang ausgeblieben. Ist das reiner Zufall? Nein. Denn einerseits gibt es bei den fossilen Kraftwerken im Moment noch Überkapazitäten, das bestreitet auch RWE nicht. Andererseits haben die Netzbetreiber es gelernt, mit der wachsenden Volatilität der Stromerzeugung umzugehen. Es ist ihnen gelungen, Schlimmes zu verhindern. Auch die sehr auf Sicherheit bedachte Bundesnetzagentur geht nun davon aus, dass man den bevorstehenden Winter ohne flächendeckende Stromausfälle wird bewältigen können. Die Agentur hat dazu eine "Kaltreserve" älterer Kraftwerke gebildet, außerdem prüft sie geplante Kraftwerksstilllegungen und verpflichtet die Betreiber gegebenenfalls, systemrelevante Anlagen in Betrieb zu lassen.

Vom Idealzustand eines soliden Stromversorgungssystems ist das alles weit entfernt. Von einer drohenden Katastrophe allerdings ebenso.

Im Moment sehen wir erst die Vorzeichen einer Entwicklung. In den kommenden Jahren gehen in schneller Folge neun Kernkraftwerke vom Netz. Im industriestarken Süden Deutschlands gibt es dann einen echten Mangel an Erzeugungskapazitäten, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Gleichzeitig wird der Anteil der regenerativen Energie aus Wind und Sonne weiter rasch steigen. Das Gesamtsystem wird damit noch empfindlicher und schwerer beherrschbar. Noch ist der Blackout vermeidbar. Wenn das so bleiben soll, muss sich aber einiges verändern.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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