Energiewende à la française In Frankreich hat es sich ausgestrahlt

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Auch in Frankreich tickt die Uhr

Infografik Woher kommen die Rohstoffe für deutsche Energie?



In den nächsten Monaten sollen Parlament und Umweltminister erst einmal weiter diskutieren. Erst Ende 2014 will Hollande die gesetzliche Grundlage festzurren. Das bedeutet: Noch ein volles Jahr müssen die Versorger mit erheblicher Unklarheit über die Rahmenbedingungen leben und kommt die Energiewende nicht voran. Die Verzögerung ist unverständlich, weil beispielsweise längst ein ehrgeiziges Programm für die Wärmedämmung hätte gestartet werden können. Doch weil die Regierung sich nicht traute, durch Einsparung an anderer Stelle nötige Fördergelder freizuschaufeln, wird erst jetzt der Rahmen dafür abgesteckt.

Das zögerliche Vorgehen Hollandes wirkt auf den ersten Blick solider als der überstürzte deutsche Beschluss, aus der Kernenergie auszusteigen. Doch das behäbige Tempo der Regierung bringt nichts, weil auch in Frankreich die Uhr tickt. Die Atommeiler sind mehrheitlich überaltert. Wie in Deutschland führen strengere Aufsicht und neue Technik zu steigenden Modernisierungskosten. Der Strompreis steigt bereits abrupt. Selbst wenn man die hohen Sanierungsaufwendungen in Kauf nähme, ließe sich das Ende der besonders greisen Atomkraftwerke nicht über 40 oder maximal 50 Jahre hinauszögern.

Neue Anlagen aber hat Frankreich nicht rechtzeitig in Angriff genommen. Der einzige Neubau in Flamanville fällt durch permanente Verzögerungen und explodierende Kosten auf. Als tragfähige Grundlage der Stromversorgung preist sich Atomstrom selber aus dem Wettbewerb. Genau wie Deutschland verfügt Frankreich zudem über kein atomares Endlager.

Ein indirekter Vorzug mag die geringere Förderung der Erneuerbaren sein. Anders als Deutschland hat unser engster Partner keine vergleichbare Milliardenbelastung seiner Konsumenten in Gang gesetzt. Und Hollande verlangt nun sogar eine Straffung der Förderung. Paris hat also größere Spielräume, was den Mix der Erneuerbaren angeht. Zudem kann das Land aufgrund seiner geografischen Vorteile auf Strom aus Meereskraft setzten. Die muss ihre Zuverlässigkeit jedoch noch unter Beweis stellen. Die anspruchsvollen Ziele bei Klimaschutz und Atomkraftrückbau werden sich nur einhalten lassen, wenn die Regierung schneller klärt, wie die künftige Energieversorgung aussehen und finanziert werden soll.

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